William Irwin: Superheroes

“Superheroes: The Best of Philosophy and Pop Culture” herausgegeben von William Irwin erschien 2011 als e-book bei Wiley. Ca. 155 Seiten. Eine deutsche Übersetzung gibt es nicht.

Hätte ich mein Blog im September nicht plattgemacht, könnte ich hier jetzt auf andere Rezensionen zu Büchern der Serie „Philosophy and Pop Culture“ verweisen. Hätte, hätte, Fahradkette.
Ich mag diese Serie recht gern, weil sie philosophische Fragestellungen lebendig und begreifbar macht. Es geht hier weniger um die Philosophen und Hauptströmungen, als um die Sache an sich (was z. B. im Fall von „Sophies Welt“ ziemlich anders aussieht). Bisher hatte ich nur die deutschen Übersetzungen gelesen, weil ich nicht einschätzen konnte, wie anstrengend die Lektüre auf Englisch werden würde. Aus diesem Grund kam mir das kostenlose eBook sehr entgegen.

In „Superheroes: The Best of Philosophy and Pop Culture“ sind Probekapitel aus den Bänden gesammelt, die sich mit Superhelden beschäftigen. Wer die Einzelbände gelesen hat, liest in diesem eBook also nichts Neues. Grundsätzlich ergeben sich hier aber stärker noch als bei den anderen Bänden der Serie zwei Lesarten: Entweder liest man das eBook als eine Einheit oder man widmet sich nur einzelnen Kapiteln.
Ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen den einzelnen Kapiteln ist nicht gegeben, die Reihenfolge spielt bei der Lektüre keine Rolle. Gerade darin liegt aber das Erfrischende an „Superheroes: The Best of Philosophy and Pop Culture“: es gibt keine inhaltlichen Wiederholungen. Bei dem Band über Batman war mir ja doch ziemlich sauer aufgestoßen, dass es ständig darum ging, ob Batman den Joker töten sollte.
Wenn ich inhaltliche Schwerpunkte benennen sollte, dann wären es: die Frage nach Gut und Schlecht, die Frage danach, was einen Helden überhaupt ausmacht, und die Frage nach Schuld und Verantwortlichkeit. Was sich bei der Betrachtung von Superhelden also unmittelbar aufdrängt.

Sprachlich fand ich das Buch sehr gut zu bewältigen, was aber auch daran liegt, dass ich in der Kindle App ein Wörterbuch zur schnellen Verfügung habe und zur Unterstützung Biscuit verwende, um neue Vokabeln bequem lernen zu können.
Es ist durchaus positiv zu bewerten, dass es pro Kapitel nur einige wenige Schlagwörter gibt, die regelmäßig wiederholt und nicht durch Synonyme ersetzt werden. Leichtes Englisch ist es dennoch nicht.

Leseempfehlung? Für alle, die an Philosophie interessiert sind und ihr Englisch trainieren möchten oder Superhelden mögen.

5 Comment

  1. RoM says: Antworten

    Mae govannen, Christin.

    „Gut & Böse laßen sich nur in Märchen klar strukturieren. In vita läuft jeder Mensch, der gegen Gewalt, Ungerechtigkeit, Willkür oder die Arroganz der Macht, aufbegehrt Gefahr korrumpiert oder untergepflügt zu werden. Nutzniesern des status quo nutzen jede Möglichkeit, um aufbegehrende Einzelne gegen die Wand zu fahren.
    Besagte Mechanismen laßen sich durch alle Zeiten, alle Lebensverhältnisse verfolgen. Das stabilisierende Element reduziert sich auf ein nach oben buckeln, nach unten treten.
    So besehen ist jeder Mensch heldenhaft, der diesen Machtmechanismus ausbootet. Heldenhaft – oder besser formuliert: Menschlich!“
    (Myrelle Minotier, aus „Pour Langue“)

    Heldenfiguren in Geschichten stehen, im Ideal der Fälle, für eine Katharsis des Publikums, die eigenen Ohnmachtsgefühle abstoßen zu können.
    Oder sie werden zu propagandischer Obszönität manipuliert.

    „Was wollte uns die Story sagen?“ ist & bleibt eine wichtige Frage. Noch wichtiger – was die Schreiberlinge dabei beabsichtigten.

    „Wir denken nicht für Nichts!“
    (Jocelyn Cupinpaire)

    bonté

    1. Christin says: Antworten

      „Was wollte uns die Story sagen?“ ist als Frage längst überholt und wurde ersetzt durch „Was sagt die Story mir persönlich?“ Immerhin lese ich allein in meinem Zimmer und der Autor mit seinen Intentionen kann mir nicht helfen. Autoren sind für eine private Lektüre unerheblich, und manchmal glaube ich, dass das auch besser so sind. Es ist zum Haareausreißen, mit welchem Eifer sonst in Texten Kafkas nach dem Vaterkomplex gesucht wird.

      An Superhelden-Geschichten mag ich besonders, wie bestimmte Wesenszüge bis ins Unermessliche gesteigert werden können. Niemand kann so gut, so böse oder so ambig sein wie ein frei erdachter Superheld. Und so ergeben sich eben Fragen und Situationen, die viel klarer umrissen sind als in der Realität und die darum viel schärfere Antworten brauchen.
      Superhelden-Geschichten machen ein moralisches Urteil möglich, dass in der Realität so niemals stattfinden könnte. Und ich denke, zu einem bestimmten Grad ist es schon ein gewisses moralisches Training, wenn man immer wieder mit Dilemmata konfrontiert wird, auch wenn es nicht die eigenen sind.

      1. RoM says: Antworten

        …was Kritiker, Germanisten oder Philosophen so zu einem Buch meinen, handle ich auch lieber auf einer seperaten Ebene ab. Lektüre ist definitiv die eigene Erfahrungswelt, während die Worte gleiten.

        Superheldengeschichten unterscheiden sich im moralischen Urteil vielleicht nicht allzu sehr vom Märchen (wobei ich hier weniger die moralinsauren meine).

        Danke für Deine Replic.

        bonté

        1. Christin says: Antworten

          Kritik an Germanisten überhöre ich jetzt einfach geflissentlich, weil Insider-Position und so. (In der Romanistik fühle ich mich allerdings sowieso 350mal wohler als in der Germanistik.)

          Märchen sind deutlich anspruchsvoller, als man meinen könnte. Kein Scherz. Ich hatte letztes Jahr ein Seminar zur Vermittlung epischer Kurzgattungen in der Sekundarstufe und wir hatten tatsächlich Probleme, typische deutsche Märchen mit der Märchendefinition und der Aussage über den moralischen Gehalt in Einklang zu bringen.
          Am saubersten funktionieren zum Beispiel „Frau Holle“ und „Schneeweißchen und Rosenrot“, weil da eindeutig gut handelnde Figuren belohnt werden.
          „Dornröschen“ und „Rumpelstilzchen“ sind da schon deutlich anders, weil die Prinzessinen eigentlich nichts Gutes tun (im Gegenteil sogar: die erste macht Unsinn und setzt sich über die Anweisungen ihres Vaters hinweg, die zweite lügt), am Ende aber trotzdem belohnt werden. Märchen, in denen die Rolle des Guten ebenso wenig durch die Handlung klar wird: „Der Gestiefelte Kater“, „Schneewittchen“, „Rotkäppchen“ (eine Schülerin in Frankreich wollte mich sogar davon überzeugen, dass Rot ein Symbol für das Böse ist, wie man an Rotkäppchen sieht) – da gibt es keine großartigen moralischen Verdienste, belohnt werden sie am Ende aber trotzdem irgendwie.

          Dadurch, dass Superhelden eindeutig erwachsene Figuren sind, geht man mit ihnen schon deutlich härter ins Gericht. Superhelden müssen integer sein und Schaden, den sie anrichten, irgendwann wenigstens begleichen. Märchenfiguren müssen das nicht.

          1. RoM says:

            …Germanisten-Schelte liegt fern der Absicht. 🙂

            Mir kommt bei den klassischen Grimm-Märchen eine gewisse Willkür nicht selten in die Quere. So wenn antrabende Prinzen danach beurteilt werden, ob sie auf einem mit Gold & Edelsteinen gepflasterten Weg ins Schloß einreiten oder nicht. Kam mir schon früh eher arrogant vom König vor.

            In manchem Märchen ist das Verdienst der zentralen Figur vielleicht einzig, daß sie am Ende noch am Leben ist. Prinz/Heirat/großes Glück.

            Ich denke, moderne Märchen sind näher an Realitäten gebaut.

            bonté

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