Wie ich Referendarin wurde und was ich vorher gern gewusst hätte

Seitdem ich Ende März den Entschluss gefasst habe, die bequeme und halbwegs sichere Welt des Callcenters hinter mir zu lassen und 18 Monate professionelles Lehrer-Bootcamp auf mich zu nehmen, ist jede Menge passiert. Es ist so als hätte ich nur mit den Fingern geschnipst und Zack!, schon bin ich Studienreferendarin.
In Wahrheit wird mein Zeitgefühl nur sehr, sehr schlecht, wenn ich viel zu tun habe. Es war eine Menge los, ich musste mir viele Fragen stellen und lauter erwachsene Entscheidungen treffen. Bei einigen hätte ich mir tatsächlich etwas mehr Unterstützung gewünscht – und ich hoffe daher, dass meine Erfahrungen jemandem hilfreich sein können.

Wenn ihr andere Fragen oder Erfahrungen habt, teilt diese gern in den Kommentaren.

Wie und wo bewerbe ich mich eigentlich?

Die Bewerbung an sich erfolgt bei jedem Bundesland einzeln, so viel sollte schon jeder wissen. Dort wird entschieden, ob man einen Referendariatsplatz erhält und an welchem Studienseminar dieser sein wird.

Jedes Bundesland hat andere Vorgaben, was eine Bewerbung um einen Referendariatsplatz enthalten muss und in welcher Form sie versendet wird. Bevor ihr also anfangt, euch aufgrund irgendwelcher sagenumwobener Dokumente verrückt zu machen – prüft erst, ob ihr sie für die Bewerbung in euren angestrebten Bundesländern tatsächlich braucht und ob ihr alle Unterlagen zum genannten Einsendeschluss zusammentragen könnt.

Mein größter Fehler war es, mich durch Angaben des ZLS verunsichern zu lassen, was für Belege ich vor meinen Bewerbungen wann wie bei wem anfordern müsste. Tatsächlich kratzt kaum etwas mehr an meinem Ego, als irgendwo um eine Unterschrift oder ein Dokument bitten zu müssen. Papierkram und ich, wir sind einfach nicht die besten Freunde.
Es lief darauf hinaus, dass ich mich über Monate um die Ausstellung von Praktikumsbelegen gedrückt habe, die ich für meine Bewerbungen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt nie benötigt habe. Die Belege habe ich übrigens noch immer – nach der Erkenntnis, dass ich sie ohnehin nicht brauche, habe ich diese Mission aufgegeben.

Wie wichtig ist das Studienseminar?

Bei beiden Bewerbungen wurde ich danach gefragt, welche Studienseminare ich bevorzuge. Ein kurzer Blick lohnt sich hier durchaus: erstens weil jedes Seminar ein leicht anderes Profil hat und zweitens weil davon auch abhängen kann, in welcher Region die Ausbildungsschule liegen wird.

Über das Studienseminar wurde mir auch meine Ausbildungsschule zugeteilt. Ende Mai hatte ich ein Kennenlerngespräch im Studienseminar, bei dem meine Wünsche hinsichtlich der Einsatzregion erfasst wurden. Anschließend hat das Studienseminar bei den Schulleitern angefragt, ob sie mich ausbilden möchten.
Die Seminarleiterin war sehr glücklich damit, dass ich weder in den Berliner Speckgürtel noch in eins der Oberzentren Brandenburgs wollte. Dadurch, dass tendenziell weniger Menschen in die entlegeneren Winkel des Bundeslands ziehen möchten, gibt es da weniger Druck und Stress beim Unterbringen der Referendare.

Wie läuft das mit den Zu- und Absagen?

Mich hat der Ablauf sehr an das Verfahren der Universitäten erinnert: irgendwann kam einfach der Brief (bzw. die E-Mail) und ich musste mich dann entscheiden, ob ich den Platz annehme oder ablehne.
Die Zusage für einen Referendariatsplatz mit dem Einstellungsbeginn 01.08. erhielt ich Mitte Mai, die für den Einstellungsbeginn 01.09. Anfang Juni. Zusagen für Restplätze gibt es deutlich später (im Fall einer Freundin rund zwei, drei Wochen vor Referendariatsbeginn).

Der große Unterschied zu meinen Universitätsbewerbungen war die wesentlich geringere Bedenkzeit. Mit der Benachrichtigung über die Platzvergabe geben die Bundesländer in der Regel ein bis zwei Wochen Zeit – und in einigen Fällen ist die Antwort dann bindend. Man kann sich unter Umständen also nicht einfach so einen Platz in dem einen Bundesland warmhalten, während man noch auf die Zusage aus einem anderen wartet.

Nachdem ich meinen Platz in Brandenburg bestätigt hatte, erhielt ich eine Menge Formulare, die ich für meine Personalakte ausfüllen sollte.

Die Ausbildungsschule wird einige Zeit nach der eigentlichen Annahme des Referendariatsplatzes mitgeteilt. In meinem Fall war das Ende Mai, also rund zwei Monate vor Referendariatsbeginn.

Wie ist das eigentlich mit Versicherungen im Referendariat?

Als pflichtbewusste Erwachsene habe ich mich nach der Zusage des Referendariatsplatzes sofort an meine Versicherungsberaterin gewendet und wir haben kurz geprüft, welche Leistungen in meinen Versicherungen schon inbegriffen waren und welche Erweiterungen lehramtsspezifisch sinnvoll sind.

Das hat sich dabei ergeben:

  • Eine Schlüsselversicherung auch für die Arbeit war bei mir über die Hausratversicherung bereits gegeben
  • Bei meiner privaten Haftpflichtversicherung gibt es ein Sondermodul für Lehrer, das wir dann zugeschaltet haben
  • Eine Rechtsschutzversicherung mit beruflichem Schwerpunkt ist für Lehrer sinnvoll, war mir aber zu teuer

Im Endeffekt werden diese Versicherungen zumindest für Referendare in Brandenburg auch vom Brandenburgischen Pädagogenverband als Gruppenversicherung angeboten und zwar zu einem günstigeren Tarif.
Wenn ihr in eurem Bundesland/dem Studienseminar einen zentralen Infotermin vor Referendariatsbeginn habt oder die Vereidigung als Beamte noch aussteht, dann wartet den Termin gern ab, da sich der jeweilige Pädagogenverband dort sicherlich vorstellen wird.

Bei Beamtenanwärtern muss auf jeden Fall noch eine Krankenversicherung abgeschlossen werden – entweder privat oder als freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse. Die Wahl ist schwierig und muss auf jeden Fall individuell getroffen werden und bei mir stehen auch noch mehrere Beratungsgespräche an, um eine langfristig gute Entscheidung zu treffen.
Das solltet ihr auf jeden Fall zeitnah erledigen, da in Deutschland diesbezüglich Versicherungspflicht besteht und Versäumnisse teuer werden.

Ich werde verbeamtet – wann unterschreibe ich meinen Arbeitsvertrag und ist das jetzt für immer?

Die kurze Antwort: Gar nicht. Beamte auf Widerruf erhalten keinen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag.

Wenn in dem jeweiligen Bundesland für das Referendariat ins Beamtenverhältnis berufen wird (wie in Brandenburg), findet irgendwann die Vereidigung statt (meine war Mitte Juli). Dabei leistet man den Diensteid und erhält dafür eine Beamtenurkunde. Aber es gibt keinen mehrseitigen Vertrag.

Bis zum Tag meiner Vereidigung wusste ich das auch nicht und war schon etwas nervös, da ich befürchtet hatte, ein wichtiges Anschreiben verpasst zu haben.

Danke an Yasi für die Ergänzung: Im Referendariat ist man noch nicht sofort richtig Beamter, sondern erstmal Anwärter. Das Beamtenverhältnis endet also erstmal automatisch mit dem Ende des Referendariats. Wie es danach weitergeht, hängt von dem Bundesland ab, in dem man tatsächlich arbeiten wird.

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