Unterwegs in Lettland – Sigulda & Cēsis

Während unserer Planung für Lettland war weniger die Frage, ob wir in einen Nationalpark fahren würden, sondern in welchen und für wie viele Tage. Von Riga aus bieten sich der Ķemeri- und der Gauja-Nationalpark für Tagesausflüge am ehesten an. Ursprünglich wollten wir in beide Parks fahren, am Ende war die „Will-ich-sehen“-Liste für letzteren aber so lang, dass wir uns darauf konzentrierten.

Ein generelles Wort zu Tagesausflügen in Lettland: Restaurants haben am Abend auch sehr spät noch geöffnet (häufig bis 22 Uhr und länger) und es bleibt auch Anfang Mai schon sehr lang hell. Das nutzten wir natürlich aus, indem wir angenehm ausschliefen, das Frühstück in Ruhe aßen und uns auch sonst bei allem Zeit ließen.

Tag 1: Rund um Sigulda

Ich weiß nicht warum, aber immer wenn A. und ich gemeinsam Dinge unternehmen, glauben Außenstehende, dass alles nur nach meinem Willen gehe. Falsch! Das Hauptprogramm an dem Tag war sein Wunsch: nämlich die Gutmannshöhle und das Museumsreservat Turaida.

Von allen größeren Städten im Gauja-Nationalpark liegt Sigulda am nächsten an Riga. Die A2 führt fast direkt in die Stadt; für die Hauptausflugsziele im Nationalpark muss man noch nach Norden abbiegen.

Etappe 1: Gutmannshöhle

Die Gutmannshöhle liegt in einer Grünanlage nur wenige hundert Meter vom Nationalparkzentrum entfernt. Ich fand sie super, weil sie nur eine große Delle in der Felswand ist. Wer aber wie A. wirklich interessiert an Höhlen und Felsformationen ist, könnte enttäuscht sein.

Gutmannshöhle

Gutmannshöhle

Links neben dem Höhleneingang führt eine Holztreppe zu einem Wanderweg nach Turaida. Die Treppe hatte es in sich, zum Teil wegen der Stufenhöhe, zum Teil weil ich seit Wochen eine Minierkältung mit mir herumgeschleppt hatte.
Danach war der Weg entspannend und anfangs eröffneten sich auch einige nette Ausblicke auf die Burg. Es folgte ein langer Abschnitt, der teilweise an Wohnhäusern am Waldrand vorbeiführte und auf dem wir trotz Beschilderung das Gefühl hatten, uns verlaufen zu haben.

 Auf dem Weg nach Turaida Auf dem Weg nach Turaida

Wer nur die Höhle und das Museumsreservat sehen möchte, sollte sich einen anderen Weg suchen. Wer aber gern spazieren geht und auch die Zeit dafür hat, wird aber seine Freude daran finden.

Etappe 2: Museumsreservat Turaida

Meine Einschätzung des Museumreservats ist nicht die fairste. Es ist nicht mein bevorzugter Museumstyp, ich hätte den Besuch am liebsten komplett ausgelassen und wir haben uns nicht alles angesehen.

Die Burg von Turaida

Auf dem Weg zur Burg kommt man an verschiedenen kleinen Gebäuden vorbei, in denen es Ausstellungen zu verschiedenen Themen gibt. Unser beider Favorit waren die Videos über mittelalterliches Kunsthandwerk, wobei ich das Weben und A. das Ziselieren am interessantesten fand.

Von den Videos abgesehen ist jedoch alles im Museum sehr statisch. Hübsch aufbereitet, aber eben statisch. Ich möchte Dinge anfassen oder wenigstens sehen, wie jemand anderes sie anfasst und etwas damit macht. Daher konnte die Hauptausstellung meine Aufmerksamkeit nur für kurze Zeit gewinnen.

Vielleicht wird in der Hauptsaison etwas mehr Programm geboten. Anfang Mai würde ich von einem Besuch des Museumsreservats jedoch eher abraten.

Essen <3

Kleine Notiz am Rande: Kurz vor dem Ausgang gibt es ein Café. Das Essen in Lettland hat mich generell sehr begeistert, weil es immer wieder neue Dinge zu entdecken gab.

Etappe 3: Abenteuerpark Mežakakis

Für den Rückweg zum Auto wählten wir einen kürzeren Weg an der Straße entlang. Tatsächlich wurde das System der hölzernen Fußwege durch den Park während unseres Besuchs noch erweitert, sodass die wichtigsten Ziele in Zukunft sicherlich noch besser zu erreichen sein werden.

Auf jeden Fall blieb uns überraschend viel Zeit, bis wir zurück in die Hauptstadt fahren mussten. Nach einem Tag voller Kultur und Geschichte wollte ich etwas Spaß haben und so fiel unsere Entscheidung auf den Abenteuerpark Mežakakis mit dem ersten Kletterwald Lettlands.

Ich persönlich mochte zunächst die Lage und die damit verbundene Aussicht, die man von den Holzplattformen zwischen den Hindernissen hat. Mein persönliches Highlight waren aber die Seilbahnen, mit denen jede Strecke endet.
Insgesamt gibt es dort fünf Schwierigkeitsstufen, von denen wir die ersten drei absolviert haben. Die ersten beiden sollten auch für untrainierte Menschen ohne weiteres machbar sein. Die dritte Schwierigkeitsstufe verlangt schon einiges mehr an Körpergefühl und Balance. Für die nächsten beiden Schwierigkeitsstufen ist zusätzlich auch Muskelkraft in den Armen und vor allem Beinen nötig.

Kleine Menschen aufgepasst: Der Kletterwald dürfte für Leute mit einer Körpergröße von etwa 1,70-1,80 m ideal sein. Mit meinen 1,63 m hatte ich teilweise Mühe, die Sicherung neu zu klippen. Wer gut auf den Zehenspitzen balancieren kann, wird aber insgesamt klarkommen.

Gauja-Nationalpark

Tag 2: Rund um Cēsis

Während Sigulda als Ausflugsziel eine offensichtliche Wahl war, viel uns die Entscheidung zwischen Cēsis und Līgatne nicht leicht. Wenn ich mich richtig erinnere, war die unsichere Wettervorhersage ausschlaggebend und wir haben den Ort gewählt, der uns im Zweifelsfall auch interessante Indoor-Aktivitäten geboten hätte.

Etappe 1: Burg und Schloss

Wahrscheinlich habe ich dieser Besichtigung zugestimmt, weil ich mich durch Turaida abgehärtet fühlte. Großartige Entscheidung: Cēsis hat nämlich mit Abstand die museumstechnisch am unterhaltsamsten aufbereitete Burg, in der ich jemals war (und das waren so einige).

Die Burg von Cēsis

Auch hier gilt der Eintritt nicht nur für die Burg selbst, sondern für mehrere Museumsteile.
Zu den Eintrittskarten erhält man außerdem eine Laterne. In dem größten erhaltenen Turm gibt es nämlich keine Lampen und wenn man nicht gerade an einem der wenigen kleinen Fenster vorbeikommt, dann ist die Kerzenflamme in der Laterne die einzige Lichtquelle.

Wir hatten außerdem das Glück, dass in dem Park neben dem Schloss gerade ein kleiner Chor in Trachten gesungen hat. Es war wirklich sehr einzigartig, mit unserer Laterne in der Hand die Nischen und Winkel eines Schlosses zu erkunden und dabei lettische Volkslieder zu hören.

 Im Burgturm Im Burgturm

Blick in den Park

Nachdem man alle Gebäudeteile in ihren unterschiedlichen Baustufen besichtigt hat, gelangt man in den Burghof. Dort werden verschiedene Aspekte des Lebens im Mittelalter vorgestellt und mein persönlicher Favorit waren die mittelalterlichen Spiele.
Keine imposanten Ritterspiele, sondern ganz normale Spiele für den Alltag. Die meisten davon kannte ich übrigens noch aus dem Kindergarten; A. hat trotzdem bei fast allen gewonnen. Mein größtes Mittelalter-Talent: auf einem Baumstamm balancierend Schläge mit einem Sack voller Heu austeilen und meinen Gegner damit aus dem Gleichgewicht bringen.

Wenn man die Anlage der Burg verlässt, kann man direkt das neue Schloss besichtigen.
Dieses ist wieder ein klassisches Anguck-Museum, in dem man viel über die Geschichte der Stadt lernen kann. Am Ende wurde es für mich dann aber etwas zu viel, zumal wegen einer Hochzeit auch lauter Menschen unterwegs waren.

Etappe 2: Der Naturpfad

Da das Wetter überraschend gut mitspielte, bestand ich darauf, dass wir noch etwas im Grünen unternehmen, bei dem uns nicht viele Menschen begegnen würden.

Der Naturpfad schien uns das ideale Ziel zu sein und so fuhren wir los … zu einem Teil des lokalen Skigebiets. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass die Beschilderung von Ausflugszielen in Lettland oft zu wünschen übrig lässt. Gleichzeitig ist aber auch auf Karten nicht immer zu 100 % Verlass, weil die Darstellung durch den Maßstab täuschen kann. (Der offizielle Zugang erfolgt übrigens über einen der beiden Campingplätze.)
In Situationen wie diesen rettet A.s Nonchalance regelmäßig den Tag. Würde ich ein Leihauto einfach so am Rand eines – zugegeben menschenleeren – Skigebiets stehenlassen und über eine Skipiste spazieren? Nein. Haben wir dann aber doch gemacht und tatsächlich einen Weg zum Naturpfad gefunden.

Auf dem Naturpfad

Auf dem Naturpfad, bei den Spiegelfelsen

Wir unternahmen zwar nur eine sehr kleine Rundwanderung, sahen dabei aber dennoch einige seltene Pflanzen und die Spiegelfelsen. Außerdem kamen wir an einer Trinkwasserquelle vorbei, an der wir uns etwas erfrischten.
Ich persönlich bin bei solchen Ausflügen immer wieder begeistert, wenn ich bemerke, wie wenig ich bisher eigentlich von unserer Umwelt bewusst gesehen habe und kann solche Ausflüge daher nur empfehlen.

Und schneller als gedacht waren viereinhalb wunderschöne Urlaubstage auch schon vorbei.

Das Beste an unserem Urlaub war für mich, auf sehr vielen unterschiedlichen Niveaus neue Dinge gelernt, Erfahrungen gesammelt und Denkanstöße erhalten zu haben: über meine Beziehung, über meine Biographie, über dieses kleine Land im Nordosten Europas und über die Welt, in der wir Leben.
Wenn ein Ort mich nicht verändert, dann lohnt sich die Reise nicht. Einfach nur abschalten und entspannen kann ich nämlich auch zu Hause.

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