The Importance of Being Christin

Bloggen hat für mich viel mit Selbstfindung zu tun. Das war nicht immer so, das hat sich irgendwann in den letzten drei Jahren so entwickelt. Mein ganzes Leben hat zurzeit viel mit Selbstfindung zu tun: weil ich in absehbarer Zukunft mein Studium abschließe und das gewisse Entscheidungen mit sich zieht. Ich will hier nicht von Quarter Life Crisis schreiben, weil das so sehr nach Schreiend-im-Kreis-laufen klingt, ich mich aber nur bedingt schreiend-im-Kreis-laufend fühle.
Die Wahrheit ist, dass ich nicht weiß, wie ich mich damit fühle oder fühlen soll und das schon seit einiger Zeit.

Ich schwanke konstant zwischen Optimismus, Gelassenheit und konstruktiver Wut.

Es stößt mir unglaublich sauer auf, dass ich in jedem Ratgeber für meine Situation von Personal Storytelling, meiner persönlichen Quest und all den Chancen, die das Leben für mich bereithält, lese – gleichzeitig aber auch weiß, dass ich nur so authentisch und begabt sein soll, wie die Gesellschaft es verträgt und wünscht.
Realistisch betrachtet würde mich nämlich das, was mir im Leben wirklich wichtig ist, ziemlich geradlinig ins akademische Prekariat befördern, zumindest in Deutschland. Überhaupt fühle ich mich immer häufiger wie ein Dreieck in einer Gesellschaft, in der alle quadratisch-praktisch-gut sein sollen. Eine Erkenntnis, die schwer zu verdauen ist, zumal ich mit der Botschaft aufgewachsen bin, dass Bildung der Schlüssel zur Selbstverwirklichung ist und ich alles sein und werden kann, das ich möchte, sofern ich mich nur anstrenge.

Ist das ein Grund zum Schmollen? Nein, ganz bestimmt nicht, weil Schmollen nichts ändert. Es ist vielmehr der Zeitpunkt, die Dinge zu drehen und von anderen Seiten zu betrachten. Mich ein bisschen besser kennenzulernen, den Fragen nachzugehen, warum ich bestimmte Dinge will und was mich daran tatsächlich reizt, wie ich meine Ideale durchsetzen kann, wenn auch vielleicht auf Wegen, die sich mir bisher noch gar nicht eröffnet haben.

Wenn ich hier also Geschichten über mich erzählen soll, dann geht das schon allein darum nicht, weil ich die Geschichte bin: Protagonistin, Antagonistin – und wenn es darauf ankommt auch Deus ex Machina. Weil es kein fertiges Ich gibt, sondern sich das Ich nur immer wieder neu erfahren kann, beim Schreiben, beim Denken, beim Leben.
Am Ende zählt nicht so sehr, wer ich bin – sondern dass ich bin und dass ich werde.

Kurze Information, weil jetzt wieder fast zwei Wochen ohne Beitrag vergangen sind, ohne dass ich es bemerkt hätte (Stichwort schlechtes Zeitgefühl): ich arbeite an etwas für meine Verhältnisse Großem für Maikind.info und gehe darin ziemlich auf, bin dadurch allerdings auch zerstreuter.

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