So war Sassnitz – Jahreswechsel auf Rügen

Warum genau fährt man ausgerechnet im Winter an die Ostsee? Um an einem Ort zu sein, an dem nicht viel los ist, und mal wieder so richtig an die frische Luft zu kommen.
Alle meine Recherchen ergaben, dass Sassnitz im Dezember diesen Ansprüchen ziemlich exakt entspricht: man hat Rügens Kreideküste quasi vor der Haustür und bei schlechtem Wetter locken einige kleine Museen sowie die Cafés und Restaurants mit Blick aufs Meer. Andere Punkte haben A. und ich uns auch überhaupt nicht auf unser imaginäres Programm geschrieben, weil ich Freizeitstress ausnahmsweise vermeiden wollte.

Tag 1: Wanderung und Feuerwerk

Unseren ersten vollen Tag (den 31.12.) hatte ich für eine Wanderung an der Küste vorgesehen. Was man über die Kreidefelsen auf Rügen wissen sollte: Kreideabbrüche. Es kommt immer wieder vor, dass ganze Stücke der Steilküste ins Meer rutschen, zumal bei nass-kaltem Wetter. Informiert euch deswegen besser bei eurer Ankunft, ob diesbezüglich gerade eine Warnung ausgesprochen wurde oder nicht.
Während unseres Aufenthalts war dies der Fall und darum bevorzugten wir weitgehend den Hochuferweg durch den Nationalpark Jasmund. Better safe than sorry. Es gibt immer wieder Treppen, über die man an ungefährliche Uferabschnitte gelangt. Einen kurzen Abschnitt zwischen zwei Treppen sind wir auch mal am Wasser entlanggegangen.

Der Hochuferweg führt durch die Stubnitz – ein Waldgebiet, das im Sommer wirklich unglaublich grün ist. Aber auch ohne Laub hat die Landschaft ihren ganz eigenen Reiz. Es ist quasi der Teil des Märchenwalds, in dem Rumpelstilzchen und der böse Wolf leben.
Außerdem ein netter Nebeneffekt der dicht stehenden Bäume: man wandert wie unter einem natürlichen Regenschirm. Es hatte den ganzen Tag immer wieder genieselt, wovon wir im Wald aber fast nichts merkten.

Hochuferweg Hochuferweg

Dort, wo der Hochuferweg besonders nah an der Küste verläuft, hat man außerdem auch einen wunderbaren Blick auf die Kreidefelsen und das Meer – und die Spaziergänger, die auf dem Uferstreifen nach Hühnergöttern und Donnerkeilen suchen.

Hochuferweg

Hochuferweg Hochuferweg

Am faszinierendsten waren für mich die vielen unterschiedlichen Farben des Meers und dass man an einigen Stellen tatsächlich noch sieht, wie weiterhin Kreide ins Meer gelangt.

Hochuferweg

Hochuferweg

Hochuferweg

Ich nannte unser Wetter liebevoll „Lugano-Wetter“, weil ich 2012 ausgerechnet während meiner Tage bei Maja im Tessin nur Regen und Nebel hatte, wo das Tessin doch eigentlich die Sonnenstube der Schweiz ist. Aber das Wetter hatte mich auch damals nicht aufhalten können und ich war auf den Monte San Salvatore gestiegen.
Das Wetter auf Rügen war teilweise so grau, dass man statt einer klaren Linie am Horizont nur einen weichen Farbübergang irgendwo zwischen Himmel und Meer erkannt hat. Und manchmal machte die Feuchtigkeit auf der Linse ziemlich fancy Dinge.

Hochuferweg

Kreidefelsen

Wir haben wirklich versucht, das Wetter möglichst positiv zu interpretieren – ändern konnten wir es ja sowieso nicht. A. freute sich dann auch schon ziemlich auf das Feuerwerk zum Jahreswechsel, weil sich das Licht bei Nebel und Nieselregen an den vielen kleinen Wassertropfen in der Luft brechen könnte. Natürlich klarte das Wetter pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit auf.
Das Feuerwerk war trotzdem nett. Immerhin hatten wir von unserem Bett aus einen grandiosen Blick über die gesamte Altstadt und konnten sogar bis Binz sehen. Wir hatten also zwei Feuerwerke in einem und das bei deutlich weniger Lärm als in Leipzig.

Tag 2: Wanderung und Hafenspaziergang

Statt ambitioniert zu feiern, wollte ich viel lieber den Sonnenaufgang über der Ostsee beobachten. Der Dezember ist dafür definitiv der dankbarste Monat, weil die Sonne in Norddeutschland erst gegen 8 Uhr aufgeht. Also schälten wir uns kurz vor 7 Uhr aus dem Bett, frühstückten und liefen wieder zum Strand.
Den ersten Januar fand ich für dieses Vorhaben besonders geeignet, weil ich mir ziemlich sicher war, dass an diesem Morgen wohl sonst niemand früh aufstehen würde. Und tatsächlich hatten wir mehrere Kilometer Strand ganz allein; sogar die Sonne hatte sich dazu entschieden, uns keine Gesellschaft zu leisten.

Ostseeküste

Kreidefelsen

Weil ein Sonnenaufgang ohne Sonne nun nicht sonderlich interessant ist, liefen wir langsam in Richtung Stadt zurück und beobachteten, wie der Himmel langsam heller wurde.Christin am Strand

Kreidefelsen

Kreidefelsen

Ostseeküste

Ostseeküste

Touri-Dinge, die wir in Sassnitz nicht getan haben: bis zum Molenfeuer laufen. Sassnitz hat eine 1,5km lange Außenmole, die von einem der höhergelegenen Punkte der Stadt aus betrachtet wirklich beeindruckend ist – an einem grauen und windigen ersten Januar aber auch unglaublich langweilig, wenn man sie entlangläuft. Wir haben auf halber Strecke kläglich aufgegeben.
Was wir stattdessen getan haben: das U-Boot-Museum besichtigen und Möwen suchen. Das U-Boot war für mich jetzt nicht so außerordentlich spannend, weil ich als Kind bereits in dem in Peenemünde war, aber A. fand es wirklich klasse. Und Möwen gab’s zum Schluss natürlich auch.

Möwen in Sassnitz

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