So war Riga – Große Liebe für eine kleine Hauptstadt

Mein Studium hat nicht viel Platz für Urlaub gelassen, weshalb ich mittlerweile ganz gut darin bin, mich an nur zwei, drei freien Tagen in Folge ganz gut zu entspannen. Als wir beschlossen haben, über meinen Geburtstag wegzufliegen, war das mehr aus Lust und Laune heraus als aus dem Gefühl, tatsächlich Urlaub zu brauchen.
Wir haben also geschaut, wohin wir schnell und unkompliziert fliegen können und hatten dann die nicht ganz leichte Wahl zwischen London, Bologna und Riga zu treffen.

Reisevorbereitung

Warum wir uns für Riga entschieden haben? Weil ich gern ein ähnliches Ferienprogramm wie in Sassnitz wollte, nur mit besserem Wetter – und Riga bietet die perfekte Mischung aus kompaktem historischen Stadtkern, Meer und grüner Natur.

Die beste Quelle zur Reisevorbereitung ist meiner Meinung nach latvia.travel.
Ich habe mir auch viele Reiseblogs angeschaut, hatte aber das Gefühl, dass dort nur die immer gleichen Ecken der Altstadt aufgezählt werden und dass Riga sehr oft als kleines Geschwisterchen von Tallinn behandelt wird.
Zusätzlich hatte ich den Merian live! Reiseführer für Riga gekauft, hatte nach fünf Seiten allerdings die Nase voll von den Schlagwörtern Paris des Nordens und sowjetnostalgisch. Ich fand den Reiseführer aber für eine erste Orientierung, wie viel das Essen in Restaurants kosten würde, ganz praktisch.

Einige „hard facts“ zu unserer Reise:

  • Wir sind mit Ryanair von Schönefeld nach Riga geflogen und hatten keinerlei Extras gebucht. Der Hin- und Rückflug für zwei Personen kostete etwa 120€.
  • Wir haben fünf Nächte im primo Hotel geschlafen, Frühstück war inklusive. Über booking.com haben wir etwa 210€ gezahlt (Spezialangebot).
  • Das Auto haben wir über greenmotion gemietet. Für 3 Tage haben wir etwa 75€ bezahlt, wobei ein Navigationsgerät nochmal extra gekostet hätte.

Tag 1: Ankunft, Friedenspark und Spaziergang an der Daugava

Kurz vor unserem Urlaub hatte ich erst ein Buch über das Wetter gelesen und so habe ich mit meinem Fensterplatz im Flugzeug den Preis für „Hatte das größte Vergnügen beim Wolkengucken“ gewonnen. Nach etwa zwei Stunden Flug haben wir dann gegen Mittag zum ersten Mal lettischen Boden betreten. Es folgte eine halbe Stunde, in der wir um den Flughafen herumirrten, um den Bus ins Stadtzentrum zu finden.
Was ich an Riga mag: Die Tickets für den ÖV sind elektronisch. Touristen erhalten gelbe Tickets aus festem Karton, die mit einer bestimmten Zahl Fahrten aufgeladen und dann nach und nach verbraucht werden können. In Bus, Trolleybus und Tram gibt es dann in der Nähe jeder Tür einen Entwerter, der einem auch sagt, wie viele Fahrten auf dem Ticket noch verbleiben. Super praktisch und echt intuitiv.

Anflug aufs Baltikum Über Lettland

Unser Hotel lag im Viertel Āgenskalns auf der linken Seite der Daugava. Es ist eins der weniger touristischen, dafür aber – meiner Meinung nach – umso charmanteren Viertel von Riga. Jeder Straßenzug dort ist anders, mal läuft man kaum befestigte Straßen mit Holzhäusern entlang, dann streift man eine Plattenbausiedlung und kaum dreht man sich um, findet man prächtige Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Für Riga selbst hatten wir anderthalb Tage eingeplant, erstens weil Riga nicht sehr groß ist und zweites weil wir nicht alle Viertel besichtigen wollten. Also haben wir unseren „halben“ Ankunftstag für einen Abstecher zum Friedensdenkmal genutzt, haben den Frühling im Friedenspark genossen und sind dann noch ein wenig an der Daugava entlangspaziert. Mein liebster Teil des Spaziergangs war ziemlich sicher die kleine Halbinsel nahe der Lettischen Nationalbibliothek.

Friedensdenkmal

Broccoli-Bäumchen im Friedenspark Friedenspark

Friedenspark

Frühling Frühling

An der Daugava

Nach sechs Stunden in Lettland war ich bereits komplett entspannt. „Best enjoyed slowly“ ist tatsächlich nicht nur ein blöder Slogan, sondern war für uns Realität. In Deutschland fühle ich mich immer ein bisschen blöd beobachtet, wenn ich Blumen fotografiere – im Friedenspark haben so viele Menschen ihr Objektiv in die blühenden Bäume gehalten, dass ich es selbst auch viel mehr genossen haben. Einige haben ausgiebig Selfies geknipst, die anderen mit ihren besten Freunden kleine Fotoshootings veranstaltet. Es war großartig.
Meine einzige Sorge am ersten Reisetag war tatsächlich, dass ich meine Sonnebrille in Leipzig vergessen hatte.

Tag 2: Altstadt, Basteiberg und Jugendstilviertel

Den zweiten Tag hatten wir für den eher touristischen Teil der Stadt verplant. Unser gesamter Reisemodus war extrem gelassen, weshalb wir keinen festen Plan hatten und die verschiedenen Eindrücke einfach auf uns zukommen ließen.

Wir haben erst ein paar Runden in der Altstadt gedreht und uns ein zweites Frühstück bei Madam Brioš gegönnt. Was soll ich sagen? Ich esse unglaublich gern und deswegen gab es für unsere Reise eine kleine Liste von Dingen, die ich kosten wollte. Außerdem war es mein Geburtstag und welche bessere Ausrede gäbe es, um sich mit von Frankreich inspirierten Leckereien vollzustopfen? Eben!
Die Altstadt ist so voll von interessanten Gebäuden und Straßenzügen, dass man meiner Meinung nach keinen Guide oder festgelegten Stadtspaziergang benötigt. Alles liegt so dicht beieinander, dass man früher oder später ganz von allein über die bekanntesten Sehenswürdigkeiten stolpert. Natürlich hat es auch etwas für sich, über die Geschichte der Stadt und der einzelnen Gebäude zu lernen, wobei wir den Teil schon mit der Reisevorbereitung abgedeckt haben.
Geburtstagstypisch kam ich sogar in den Genuss einer Erster-Mai-Demo! Absolut Ich-bezogen sind mir die politischen Kundgebungen an diesem einen Tag im Jahr ziemlich egal, mir gefällt es einfach, wenn es an meinem Geburtstag überall Luftballons gibt.

Vecriga

  Souvenir-Shop in Vecriga Petrikirche

Vecriga

Zwischen der Altstadt und dem Jugendstilviertel liegen mehrere Parks. Wir haben unseren Weg so gelegt, dass wir durch möglichst alle spazieren konnten: Vom Park rund um den Basteiberg in den Kronwald-Park, von dort die Strēlnieku iela hoch, die Alberta iela entlanglaufen und dann irgendwie zur Esplanāde.

Der Park rund um den Basteiberg ist für mich der schönste Park in Riga und mit seinen Wasserläufen und vielen Blumen ziemlich romatisch, dafür ist er aber auch sehr gut besucht. Es ist ein Park fürs Auge, zum Entspannen würde ich aber jederzeit den Friedenspark bevorzugen.

Die Jugendstilgebäude in der Alberta iela finde ich überbewertet. Das kann aber auch daran liegen, dass es in Leipzig noch viele gut erhaltene Gebäude von der letzten Jahrhundertwende gibt.
Gelohnt hat sich der Abstecher trotzdem, weil wir an der Ecke Alberta iela / Antonijas iela ein großartiges russisches Restaurant namens Traktir entdeckt haben. Es war ein absoluter Glücksfall, denn A. wollte ohnehin russische Küche kosten und vom vielen Laufen waren wir in der Zwischenzeit auch wieder hungrig geworden. Ich konnte dort auch den nächsten Punkt auf meiner Schleckmaul-Liste abhaken: Rigaer Schwarzer Balsam. Für Spirituosen gibt es in Lettland übrigens nur eine Größe, nämlich 50g.

Blick auf das Freiheitsdenkmal vom Bastejkalns (Basteiberg)

Im Bastejkalna Parks Geburtskathedrale Laima-Uhr und Freiheitsdenkmal

Ursprünglich wollten wir am Nachmittag einige Museen im Stadtzentrum besichtigen. Von allen Museen, die uns interessiert haben, haben wir genau eins gefunden: Das Okkupationsmuseum und das hatte geschlossen bzw. war die Ausstellung in ein anderes Gebäude am anderen Ende des Stadtzentrums verlegt wurden.
Nach dem Museum für Rigaer Stadtgeschichte und Schiffahrt haben wir knapp 45 Minuten gesucht und es dann aufgegeben. Selbst mit drei verschiedenen Stadtplänen für Touristen haben wir es einfach nicht gefunden und die knappe Beschilderung in der Altstadt hat auch nicht geholfen.
Dafür war es dann schon Zeit für den goûter und da wir wieder in der Nähe von Madam Brioš waren1

Geschafft, aber glücklich kehrten wir also ins Hotel zurück und planten die Abenteuer für die folgenden Tage. Was wir noch erlebt haben, erfahrt ihr in den nächsten Einträgen!

1 A. besteht darauf, dass wir eigentlich nicht in der Nähe waren, sondern dass wir dort extra hingegangen sind, weil ich auf die Museumssuche keine Lust mehr hatte. Ich bin der Meinung, dass die Altstadt so klein ist, dass man immer in der Nähe von allem ist.

Schreibe einen Kommentar