Paul J. Silvia: How to Write a Lot

“How to Write a Lot: A Pracitcal Guide to Productive Academic Writing” von Paul J. Silvia erschien 2007 bei APA Life Tools. Ca. 130 Seiten. Eine deutsche Übersetzung gibt es meines Wissens nach nicht.

Meine Stimmung kreiselte die gesamten letzten Semesterferien durch den Teufelskreis aus „Ich schreibe jetzt nicht, weil ich mich nicht nach schreiben fühle.“ und „Ich fühle mich nicht nach schreiben, weil ich bisher so wenig geschrieben habe.“ abwärts. Schreiben, sowohl für die Uni als auch meinen Nebenjob, fühlte sich nur noch als Last und unmachbar an. Ich wusste, dass das alles nur in meinem Kopf passiert und wollte darum auch keine tröstenden Worte von Freunden und Familie, sondern klare Ansagen. Ich wollte auch keine Anleitung dazu, wie man schreibt, weil Feedback bisher immer dafür sprach, dass ich das schon einigermaßen gut drauf habe, und auch kein seichtes Motivationsgeseie – und nach einem Blick in ein paar Inhaltsangaben und Rezensionen, erschien mir „How to Write a Lot“ passend.

Das Buch hat einen relativ linearen Aufbau:

  • Probleme, die vom akademischen Schreiben abhalten, und warum sie lediglich pure Einbildung sind.
  • Ein Schreibstundenplan als Lösung aller Probleme.
  • Ein paar Worte zum Thema Motivation.
  • Weshalb eine „Selbsthilfegruppe“ für Schreibverweigerer sinnvoll ist und wie sie gestaltet werden kann.
  • Einige wenige Bemerkungen zum Stil.
  • Hinweise dazu, wie man wissenschaftliche Zeitschriftenartikel und Bücher tatsächlich fertig bekommt.

Die Wichtigkeit des Schreibstundenplans wird dabei regelmäßig betont. Um nicht zu sagen: Immer. Der Schreibstundenplan wird nämlich als Heilmittel von Problemen beim wissenschaftlichen Schreiben dargestellt und alle anderen Ausführungen im Buch beziehen sich darauf. Das Kapitel zur Motivation ist daher auch kein freundlicher Pep-Talk, sondern erinnert eher an die Theorie der Gewohnheitsketten.
Das Buch setzt also vollkommen darauf, dass die schreibgeplagten Leser und Leserinnen Einsicht darin zeigen, dass ein Schreibstundenplan notwendig ist und dann den Absprung von selbst schaffen. Tipps zum Umgang mit Ängsten und Blockaden werden an keiner Stelle gegeben, weil diese sich ja von selbst auflösen würden, wenn man nur erstmal regelmäßig schreibt.

Diese Einseitigkeit kann man dem Buch durchaus vorwerfen, aber daneben lassen sich dennoch einige Tipps verwerten, zum Beispiel dazu, wie Schreibaufgaben priorisiert werden können.
Auch die Beschreibungen zur „Selbsthilfegruppe“ fand ich sehr nützlich, zumal ein Kommilitone, mit dem ich 2008 zusammen das Französischstudium begonnen habe, auch schon meinte, dass wir uns für die Masterarbeit regelmäßig zusammensetzen sollten.

Ehrlich gesagt, bereiten mir Ratgeber, in denen der eine goldene Weg zu einer Lösung aufgezeigt wird, immer etwas Bauchweh. Vor allem von einem Buch, das im APA*-eigenen Verlag erschienen ist, hätte ich mir aber irgendwie mehr Theorievielfalt und mehr Fingerspitzengefühl erwartet.
Das Buch ist von daher okay, als dass es mich in allen meinen Sorgen bestätigt hat. Ein paar wissenschaftliche Bemerkungen mehr zu Motivation und Umgang mit Schreibblockaden hätte ich mir aber durchaus gewünscht.

Leseempfehlung? Wenn ihr eine grundlegende Einführung ins wissenschaftliche Schreiben oder freundliche Worte sucht, dann sicherlich nicht. Wenn ihr aber eine klare Aussage sucht, wie ihr eure Schreibprozesse strukturieren könnt, und euch zutraut, das auch strikt umzusetzen, dann ist dieses Buch das richtige für euch.

 

* APA ist die American Psychological Association und ihr Styleguide wurde uns auch im Französischstudium ans Herz gelegt, zumindest hinsichtlich der Zitierweise.

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