Offline-Tage

Der Fuchs erklärte dem kleinen Prinzen, dass es beim Jemanden-für-sich-gewinnen auf Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit ankommt. Sobald wir uns an jemanden binden oder sich jemand an uns bindet, gehen wir einen kleinen Vertrag aus gegenseitigen Erwartungen ein, auch wenn wir davon so gut wie nie sprechen.
Gibt es eine solche Bindung aus Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit auch zwischen einem Blog und seinen Lesern? Ich lasse die Frage im Raum stehen, weil es für einige Fragen keine eindeutigen Antworten gibt. Ihr dürft euch dazu gern in den Kommentaren äußern.

Nun habe ich in den letzten mehr als drei Monaten nichts geschrieben und war auch sonst nur mäßig zu erreichen. Was war passiert?

Während der Zeit in Sassnitz hatten A. und ich uns darauf geeinigt, keine Zeit vor Bildschirmen zu verschwenden. Wir hatten das W-LAN-Passwort unserer Ferienwohnung dankend abgelehnt, die Computer blieben in ihren Taschen und mein Smartphone diente lediglich als Navigationshilfe. Was soll ich sagen? Es war herrlich.

Es tat gut, mich nicht mit der regen Informationsflut der sozialen Netzwerke auseinanderzusetzen und der Welt zu erlauben, sich ohne mein Einmischen weiterzudrehen.
Wieder zu Hause beobachtete ich zwei Tage lang, wie viel Zeit ich tatsächlich mit dem Smartphone – nun ja – vergeudete. Soziale Netzwerke waren eine lieb gewonnene Angewohnheit, jedoch keine, von der ich den Eindruck hatte, sie würde mich als Mensch weiterbringen. Soziale Netzwerke sind nett – aber in der Zeit, in der ich über Twitter scrolle, kann ich auch zwei oder drei Artikel lesen, die ich in Pocket gespeichert habe. Also deinstallierte ich kurzerhand alle Apps sozialer Netzwerke (außer Instagram) von meinem Smartphone.
Je weniger ich mich in Geschichten einmischte, die mich eigentlich gar nicht betrafen, desto stärker fühlte ich mich von dem sozialen Netzwerk als Ganzem gelöst. Ich hantierte nicht nur weniger mit dem Smartphone herum, ich verbrachte auch weniger Zeit am Computer.

Nichtsdestotrotz war ich nicht einfach weg, sondern beschäftigte mich still, in meinen Gedanken eingeigelt mit Dingen.
Ich habe meine Einstellung zu Informationen geändert: ich nehme sie nicht mehr um des Informiertseins Willen auf, sondern wenn sie für mich bedeutsam sind. Ich bin dadurch glücklicher. Ich habe mich auch damit beschäftigt, ob ich Nachrichten in meinem Leben brauche, habe da aber noch keine endgültige Meinung gefasst.
Irgendwann stellte ich aber fest, dass ich mich gern wieder äußern möchte. Vielleicht nicht immer und ständig auf allen Kanälen. Aber doch zumindest auf meinem Blog.

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