Masterarbeit #2: Papierkram und Sprecherziehung

Es ist vollbracht! Ende November hatte ich bereits ein Thema und zwei Betreuerinnen gefunden, im Laufe des Frühjahrs habe ich dann den ganzen nötigen Papierkram auf die Reihe gebracht.

Papierkram und ich

Es wäre falsch zu sagen, dass ich einfach unorganisiert bin. Ich bin ziemlich gut darin Pläne zu machen und sie dann mit neu eintreffenden Informationen abzustimmen. Ich habe global alles auf dem Schirm, was momentan und für die nächsten Wochen bzw. Monate wichtig ist und was ich wann ungefähr machen muss (zum Beispiel brauche ich demnächst einen neuen Perso und deswegen auch neue Passbilder, was ich dann direkt mit Bewerbungsfotos verbinden möchte usw.). Aber ich bin relativ unbegabt darin, diese Pläne umzusetzen, sobald es um offizielle Papierstücke geht.
Dazu kommt, dass ich auch kein Zeitgefühl habe. So überhaupt keins. Ich verschätze mich nicht einfach um ein paar Stunden oder Tage, sondern direkt um Wochen oder Monate.

Also reichte ich meinen Antrag auf die Masterarbeit etwas später als gewöhnlich ein und als ich das Gefühl hatte, es wäre die zweite Aprilwoche und damit ein guter Zeitpunkt, um die Bestätigung abzuholen, ging ich erneut zum Prüfungsamt. Es war der 30. April (so viel also zu „zweite Aprilwoche“) und mein Thema wurde, so wie es war, bestätigt:

Die Konstruktion der kreolischen Identität durch die Widerspiegelung der Plantagengesellschaft in den Sagen Martiniques

Das Thema bzw. der vorläufige Arbeitstitel ist wirklich erschlagend und ich suche noch nach einem handlicheren offiziellen Titel.
Damit ihr euch etwas mehr darunter vorstellen könnt, womit ich mich in den nächsten Monaten beschäftigen werde: ich sehe mir an, unter welchen Umständen die Gesellschaft auf den französischen Antillen entstanden ist, wobei mich die soziale Gliederung und der Umgang mit eben dieser am meisten interessiert. Parallel dazu analysiere ich einige Sagen auf genau diese Punkte hin und abschließend vergleiche ich alles.
Meine Hypothese ist, dass der tatsächlichen sozialen Hierarchie der Gesellschaft, in der die Weißen überlegen sind, in den Sagen ein moralisches Gefälle oder Wertesystem gegenübergestellt wird, in dem sich die ehemaligen Sklaven als die eigentlich Überlegenen herausstellen.

Momentan arbeite ich mich übrigens in die Geschichte der Sklavenhaltung und Plantagengesellschaft auf Martinique ein und wähle geeignete Sagen aus.

Und was ist nun mit Sprecherziehung?

Dinge, die ich auch nicht gut kann: mich um Arzttermine kümmern, wenn ich mich nicht krank fühle.

An der Universität Leipzig war ein phoniatrisches Gutachten eine der Voraussetzungen, um sich überhaupt in einen Lehramtsstudiengang einschreiben zu können (und ich nehme an, dass das auch heute noch so ist). Zusätzlich waren im Bachelorstudium dann Kurse in Sprecherziehung zu belegen: theoretische Vorlesungen dazu, wie die menschliche Stimme funktioniert und gesund gehalten werden kann, sowie Übungen zum gesunden Sprechen.
Einige Studenten werden auch für ein intensiveres Stimmtraining erst zum HNO-Arzt und von dort aus zum Logopäden geschickt.

Ich finde Sprecherziehung an sich sinnvoll (ehrlich gesagt finde ich es sogar verantwortungslos, wenn an anderen Universitäten darauf verzichtet wird) und ich muss auch sagen, dass mir die Logopädie wirklich etwas gebracht hat. Aber das ändert nichts daran, dass ich den Folgetermin beim HNO-Arzt nun schon seit Jahren vor mir herschiebe.
Ohne grünes Licht vom HNO-Arzt gibt es allerdings keinen Sprecherziehungs-Schein und ohne den kein Master-Zeugnis. Ich kann jetzt aber stolz verkünden: schwer motiviert davon, auf dem Prüfungsamt alles brav und erfolgreich unterschrieben zu haben, habe ich direkt beim HNO-Arzt angerufen und mir einen Termin geben lassen. Früh genug sogar, um vor Abgabe der Masterarbeit eventuell auch noch eine Runde Logopädie mitmachen zu können.

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