Masterarbeit #1: Das Thema

Mein Studium neigt sich langsam aber sicher dem Ende und wie vor drei Jahren schon begann die Suche nach dem perfekten Thema für meine Abschlussarbeit. Ich würde hier wirklich gern Tipps zum Schreiben von Abschlussarbeiten geben – aber mit bisher nur einer einzigen größeren wissenschaftlichen Arbeit kann ich für mich nicht gerade den Expertenstatus beanspruchen.
Am Ende des Beitrags habe ich aber versucht, die Punkte zusammenzufassen, die mir bei der Themenfindung am wichtigsten waren und am meisten geholfen haben. Vielleicht nützt es ja jemandem, der vor einem ähnlichen Problem steht.

Während der rund 10 Monate, die noch zwischen mir und der Abgabe meiner Arbeit stehen, möchte ich euch also etwas an dieser fantastischen und unglaublichen Reise teilhaben lassen.

Themensuche – Eine Odyssee in drei Akten

Es war im Frühsommer 2008, wir Französischabiturienten verließen die Aula, Mut machende und vielsagende Blicke: „Christin, was hast du im freien Kommentar zur Frankophonie geschrieben?“ – „Nichts, ich habe ein anderes Thema bearbeitet.“ – „Aber Frankophonie, das war doch DEIN Thema?!“ Staunen rings um mich herum.
Ich hatte Vorträge über die Lage der Einwanderer in Frankreich und über das Leben von Jugendlichen in den französischen Überseegebieten gehalten, ich hatte Ausschnitte aus „La Haine“ gezeigt und einen Auszug aus „Ni Putes Ni Soumises“ ausgeteilt. Frankophonie war immer mein Thema – nur nicht am Tag der schriftlichen Abiturprüfung.

Es war im Sommer 2011, als ich ein Seminar über politische Lyrik im Mittelalter quasi im Dialog führte, trotz 30 weiterer Studenten im Raum. Während der nächsten Woche schlich sich der Gedanke ein, dass das etwas Besonderes ist, dass nicht jeder so viel Freude bei der Arbeit mit mittelhochdeutschen Texten empfindet, und dass ich das nutzen sollte. Also schob ich den Gedanken, meine Bachelorarbeit über die Literatur des subsaharischen Afrikas zu schreiben, beiseite und sprach bei unserem Dozenten für ältere deutsche Literatur vor.
„Nehmen Sie nur bitte nicht die Nibelungensage, die ist schon komplett abgegrast.“ – Frankophonie war wieder nicht mein Thema.

2014. Den Sommer habe ich grübelnd verbracht, Für und Wider besprochen, mich im Bett zusammengerollt, mir das Kissen über den Kopf gezogen, A. leidend angeguckt – immer wieder. Dietrich von Bern und ich sind beste Freunde und es gäbe noch so viel über Hildebrand zu schreiben. So viel! Doch mit jeder Seminareinheit mehr über „Daniel von dem Blühenden Tal“ fühlte ich mich in der älteren deutschen Literatur fremder. Ich merkte, wie der Funke in mir nach und nach erlosch. Im Lektürekurs über Sagen aus der außereuropäischen Frankophonie blühte ich dahingegen innerlich wieder auf – auch an Tagen, an denen ich nicht gern in den Kurs ging, die Stirn runzelte oder ausnahmsweise nichts zu sagen hatte, war ich einfach glücklich.
Frankophonie ist mein Thema – im letzten Akt, nach retardierenden Momenten.

„Möchten Sie … ?“ – Der Bund für die nächsten Monate

Die Romanistik der Universität Leipzig ist ein relativ kleiner Fachbereich und mit meiner Themenwahl hatte ich mich somit schon ziemlich auf einen bestimmten Professor festgelegt. Es kam also die Zeit des Master Proposals.

Mir war mein vorläufiger Arbeitstitel für die Arbeit schon relativ klar, weil mich der Lektürekurs auf einen ziemlich interessanten Aspekt gebracht hatte. Am Ende war es eine Frage der Details: Über welche Region möchte ich schreiben?
In der engeren Wahl standen die Karibik und der Maghreb. Aus Gründen der Machbarkeit (also vor allem der bereits vorhandenen Forschungsliteratur und meines Vorwissens) entschied ich mich für die Karibik, mit dem Schwerpunkt auf Martinique. Wahrlich keine große Überraschung.

Die Struktur meiner Arbeit ergab sich aus dem Arbeitstitel relativ von selbst, was zum Teil aber auch daran liegt, dass ich im 3. Semester eine Hausarbeit zu einem ähnlichen Thema (allerdings mit anderem Schwerpunkt) geschrieben hatte. Es entfällt also die lange Zeit des Einarbeitens in die Grundzüge der Materie und ich habe schon eine grobe Idee, was für meine Arbeit tatsächlich wichtig ist.

Die nötige Einstiegsliteratur war auch bald gefunden und so machte ich mich mit zwei Seiten DIN A4 auf ins Geisteswissenschaftliche Zentrum, es galt schließlich, einen Professor für mein Vorhaben zu gewinnen. Es ist kein Bund fürs Leben, den man mit der Betreuung einer Abschlussarbeit eingeht, aber ich kann mir nicht vorstellen, bei einer tatsächlichen Verlobung nervöser zu sein. Was würde er wohl sagen?
„Wissen Sie, ich habe nicht so viel Zeit, um Abschlussarbeiten zu betreuen. Es ist nicht so, dass ich mich für Ihre Person und Ihre Fragestellung nicht interessiere, aber ich habe auch Doktoranden und Habilitanden zu betreuen. Ich habe eine Mitarbeiterin, die eine grandiose Dissertation zu Ihrem Thema geschrieben hat und Sie in Ihrem Vorhaben kompetenter beraten können wird. Wenn Sie bitte zu Ihr ins Nebenzimmer gehen würden?“
Schritt zum Nebenzimmer, Anklopfen, Eintreten, Ausatmen, Lächeln. „Ich kenne Sie … Lassen Sie mich raten, eine Abschlussarbeit?“ – „Ja, Masterarbeit.“ – „Oh, Master schon?“ – „Ja, und ich habe hier ein kleines Proposal vorbereitet.“

Einige Lächeln und ein „Das klingt toll, so machen wir das!“ später hatte ich eine Erstbetreuerin für meine Masterarbeit- und einen vorläufigen Arbeitstitel.
Den vorläufigen Arbeitstitel meiner Arbeit möchte ich hier nicht teilen, ehe nicht alle Anträge abgesegnet wurden. Dafür gibt’s im Beitragsfoto den ersten Teil Primärliteratur.

Was mir bei der Themenfindung geholfen hat

Lange Zeit habe ich mich mit der Themenfindung also gequält, bis schlussendlich alles gut wurde. Mir haben dabei keine Pro-/Kontra-Listen geholfen, sondern ehrliche Antworten auf folgende Fragen:

  • Für welche Themen interessiere ich mich besonders? Die Masterarbeit ist in meinem Studiengang 20 Leistungspunkte wert – das entspricht etwa 600 Stunden Arbeitsaufwand. Dazu gehören Literaturrecherche, Lektüre, Forschung, Schreiben. 600 Stunden sind verdammt viel und die möchte ich gern mit einem Thema verbringen, das mir wirklich gefällt.
  • Welches dieser Themen ist für mich überhaupt machbar? Eine Masterarbeit hat einen anderen wissenschaftlichen Anspruch als eine Doktorarbeit. So interessant ein Thema auch sein mag, einige Themen übersteigen einfach den Anspruch, dem man als Masterant oder Masterantin realistisch gewachsen ist.
  • Welche Dozenten kommen für mich als Betreuer in Frage? Ich bin zwar grundsätzlich dagegen, im Studium immer nur auf die Noten zu gucken, muss aber auch ehrlich sagen: im Gegensatz zu meinem Bachelorzeugnis ist mein Masterzeugnis für meine spätere Karriere wichtig. Ich war nicht auf der Suche nach Dozenten, die mir auch für eine mittelmäßige Arbeit eine sehr gute Note geben würden, allerdings hätte ich sicherlich auch keinen Dozenten als Betreuer gewählt, von dem bekannt ist, dass er streng und unfair bewertet.
  • Welches Thema reizt mich so sehr, dass ich mir eine Karriere in dem Bereich vorstellen könnte? Natürlich kann man allein des Erkenntnisinteresses wegen studieren, sich auf die Literatur des Biedermeiers spezialisieren und darin die Abschlussarbeit schreiben. Nur dann darf man eben nicht glauben, damit in der freien Wirtschaft eine Chance zu haben. Da ich mir auch eine akademische Laufbahn nach dem Studium vorstellen kann, habe ich mich also für den Fachbereich entschieden, in dem ich mich am wohlsten fühle.

2 Comment

  1. Ich hab auch ziemlich lang an meiner Thenenfindung genagt und bin letzlich froh, ein Thema gewählt zu haben, dass mich tatsächlich durch und durch interessiert und mit dem ich jetzt – nach einen guten halben Jahr – immer noch Spaß habe 🙂 allerdings setze ich mich damit tatsächlich nicht gerade auf die „damit bekomme ich nach dem bachelor aufjedenfall n job“ Liste… möglicherweise werd ich das Thema noch oft erklären müssen

    1. Christin says: Antworten

      Mein Thema ist auch so, dass ich damit in Akademikerkreisen Erfolg haben könnte, auf Jobsuche werde ich aber auf andere Kompetenzen setzen müssen.

      Ich denke, es kommt auch drauf an, wie man als Persönlichkeit aufgelegt ist und das Thema in den Lebenslauf integriert.

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