Logos: Kann ich etwas außer Rezensionen bloggen?

Wenn ich pro Kalenderjahr einen Beitrag zum Logos veröffentliche, gilt es dann trotzdem als Beitragsreihe?

Jeder hier konnte an sich selbst bestimmt schon feststellen, dass es einen großen Unterschied zwischen Wissen und Handeln gibt. Ich weiß, dass Softeis mir nicht gut bekommt und trotzdem esse ich es, weil es lecker ist. Das ist ein einfaches Beispiel, das ich auch ziemlich schnell durchblickt hatte.
Die Sache mit dem Logos ist komplexer, weil es überall ist und man das Prinzip nicht komplett ausschalten kann – begriffliches Denken und so. Auch auf der zwischenmenschlichen Ebene hat Logos bestimmte Vorteile (Gruppenzugehörigkeit, yay!) – aber auch eine Reihe von Nachteilen, derer man sich oft nicht im vollen Ausmaß bewusst ist.

Ich habe mir lange Zeit Gedanken darüber gemacht, wie ich über Bücher bloggen kann und möchte. Es hat sehr lang gedauert, bis der Groschen gefallen ist und mir bewusst wurde, dass mein Problem an einem Wort klebte: Buchblogger.

Im Untertitel dieses Blogs steht „… und das Leben zwischen den Zeilen“, weil Texte im Allgemeinen und Bücher im Besonderen mir sehr viel bedeuten, weil ich für sie und in ihnen lebe. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht wenigstens etwas lese und mir Gedanken darüber mache, mal inhaltlich, mal meta. Über Jahre habe ich meine Energie und mein Herzblut in literaturwissenschaftlichen Seminaren gelassen, meine beiden Abschlussarbeiten in unterschiedlichen literaturwissenschaftlichen Gebieten geschrieben. Ich atme in Kadenzen und träume in rhetorischen Figuren.

Und dann habe ich Rezensionen gebloggt, weil man das so macht, wenn man einen Buchblog führt.
Egal, dass Rezensionen mir persönlich nichts bringen, weil ich Bücher aufgrund ihres Titels und ihrer Umschlaggestaltung kaufe. Egal, dass ich auf anderen Blogs deswegen nur äußerst selten Rezensionen lese und dass mich die meisten davon angeödet haben. Egal, dass ich mir bei vielen meiner eigenen Rezensionen total blöd vorkam.
Vielleicht müsste ich es nur lang genug durchziehen. Wiederholen, bis es zur Gewohnheit wird, wie Smalltalk oder Tomatenschneiden. Dann würde es schon gehen.

Es ging nicht. Wenn man die problematische Entwicklung einer Figur in drei und die schwächen der Erzählstruktur in fünf Sätzen abhandeln möchte, muss man entweder ein feuilletonistisches Genie sein oder damit leben, dass es sehr oft Murks ist. Zumindest hatte ich dieses Gefühl.

Ich wollte mehr schreiben, aber dann kam immer ein Gedanke: „Natürlich kannst du das so veröffentlichen, aber dann werden 80% der Leser kaum bis zum Ende des Absatzes bleiben.“ Und machen wir uns nichts vor: hätte ich keine Lust auf Austausch, dann würde ich es nicht veröffentlichen.
Aber dann habe ich letztes Jahr etwas Überraschendes getan: ich habe „Wie stellst du dir starke Protagonistinnen vor? So jedenfalls nicht.“ veröffentlicht und es war großartig. Nicht nur wegen des Feedbacks online, sondern weil dieser Beitrag zu 100% Christin ist.
Der Beitrag ist aus einem inneren Bedürfnis entstanden, weil ich beim Lesen oftmals sehr starke Gefühle entwickle und es mir hilft, wenn ich sie in Worte fassen kann. Vor allem hatte ich aber endlich Platz für Erklärungen, für kleine Ausflüge in mein Studiengebiet. Wer mich kennt, der weiß, dass ich wirklich stundenlang über meine Fächer reden kann, weil ich Spaß an ihnen habe.

Das ganze letzte Jahr habe ich immer wieder versucht, in verschiedenen Formen über Bücher und andere Texte zu schreiben. Mal mehr, mal weniger erfolgreich.
Wenn ich wirklich ins Schreiben vertieft und glücklich war, entstanden Texte, die „Wie stellst du dir starke Protagonistinnen vor?“ in der Form ähnlich waren. Dann editierte ich 80% heraus, um Lesehäppchen to go auf meinem Blog anbieten zu können, war wieder unzufrieden und veröffentlichte nichts.

Die Sache ist die: Ich möchte hier keine Bücher verkaufen. Dafür gibt es Buchläden. Ich möchte über Bücher und Literatur schreiben. Über das Leben zwischen den Zeilen und zwischen den festgefahrenen Begriffen. Ich muss mich nicht als Buchblogger sehen, weil es mir um viel mehr als nur Bücher geht. Darum ab jetzt: Lesegedanken.

(Beitragsbild: Lacie Slezak via unsplash.com.)

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