Ich bin introvertiert, aber kein Goldfisch

Unter Bloggern gibt es unausgesprochene Gesetze dazu, was alles in die Kurzbiografie gehört. Im englischsprachigen Raum ist dies auch immer häufiger der Persönlichkeitstyp laut MBTI. Vier Buchstaben, die die eigene Persönlichkeit möglichst vollständig beschreiben sollen. Der erste davon ist bei mir ein I: introvertiert.
„Du machst aber keinen schüchternen Eindruck.“ – Ja, weil Introversion nicht mit Schüchternheit gleichzusetzen ist. „Und du schreibst hier doch ziemlich viel aus deinem Leben.“ – Ja, weil Introversion nicht nur beeinflusst, ob ich kommuniziere sondern auch wie.

Jenny hat vor ein paar Tagen beschrieben, wie sich Introversion bei ihr äußert. Weil Introversion ja aber eben nur ein Persönlichkeitsmerkmal von vier (beim MBTI) oder fünf (bei den Big Five) ist, verhält sich nicht jeder Introvertierte gleich. Es sollte eigentlich klar sein, dass wir nicht nur Buchstabencodes, sondern Individuen sind.
Bestimmte Dinge habe ich mit Jenny gemeinsam: dass mir soziale Situationen zu anstrengend werden können, dass ich tagelang jegliche echte Kommunikation abschalten kann, dass ich Rückzugsgelegenheiten brauche, dass ich früher dachte, ich müsse mich ändern. In anderen Dingen unterscheiden wir uns aber deutlich: ich gehöre zu den Schülern oder Studenten, die sich fast immer melden.
Wenn ihr Introvertierte ein bisschen besser verstehen wollt, dann kommt mit auf diese kleine Reise in meinen Kopf – und lest Jennys Beitrag, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu ergründen.

Meine Filter sind schwächer

Ein Zusammenhang zwischen Erregungsschwelle und Introversion/Extraversion wurde unter anderem von Eysenck festgestellt und wird in der Forschung regelmäßig angenommen. Introvertierte verarbeiten tendenziell mehr Informationen als Extrovertierte und brauchen deswegen deutlich weniger Impulse von der Außenwelt, um auf ein angenehmes Erregungslevel zu kommen.

Bestimmte Situationen werden mir also sehr schnell zu viel, weil sie zu viele Impulse liefern. Öffentliche Verkehrsmittel zum Beispiel. Auf bestimmte Geräusche reagiert mein Körper damit, die Muskulatur hinter meinen Ohren anzuspannen und dieses Geräusch intensiv zu verfolgen. Dazu gehören das Sprudeln von Kohlensäure, das Klirren von Metalllöffeln beim Auskratzen von Töpfen und Gläsern – und Gespräche.
Manchmal bin ich schon nach zehn Minuten im Bus oder Zug in der gleichen Laune wie sonst nur bei starker Übermüdung: ich bin reizbar, genervt und würde vor Frustration am liebsten weinen. Es ist nicht so, als würde ich gern anderen Gesprächen lauschen, aber ich kann es auch nicht abschalten, schon allein weil mich meine angespannte Muskulatur immer an die Situation erinnert.

Aus diesem Grund ziehe ich mich regelmäßig körperlich oder wenigstens gedanklich zurück. Wenn ich allein mit Bus oder Bahn fahre, dann höre ich z. B. fast immer Musik, um den Geräuschpegel um mich herum zu kontrollieren.

Kommunikation ja – aber aufgabenorientiert

Ich führe im Idealfall keine Gespräche, um mich selbst oder andere Menschen reden zu hören, sondern weil mich der Inhalt interessiert.

Darum ist auch die mündliche Mitarbeit in Seminaren genau mein Ding: beim Sprechen geht es mir nicht darum, mich als Person zu produzieren, sondern um thematische Entfaltung. Seminare sind der Ort, an dem ich rein aufgabenorientiert sprechen kann und das nicht nur völlig legitim, sondern sogar erwünscht ist.
Aufgaben und die Arbeit an ihnen sind toll. Für mich gibt es nichts Schöneres, als Fragen auf den Grund zu gehen und sie dann zu beantworten. Darum habe ich auch nie die Schüler und Schülerinnen verstanden, die die Antwort auf eine Frage zwar kannten, sich aber nie gemeldet haben. Für mich ist es einfach unlogisch, ein Thema so jäh auszubremsen; ich will immer, dass es mit dem Thema vorwärts geht.
Aus diesem Grund können auch Diskussionen mit mir ziemlich anstrengend werden. Wenn ihr mit einem interessanten Thema zu mir kommt, dann dürft ihr nicht glauben, euch nach 30 Minuten aus der Angelegenheit stehlen zu können – ich kann Stunden lang diskutieren und tue das auch, bis das Thema zu einem befriedigenden Punkt entfaltet wurde.

Insgesamt hat Kommunikation für mich einen ganz anderen Stellenwert als für Extravertierte. Kommunikation ist für mich etwas sehr Ernstes, dem ich, wenn ich mich darauf einlasse, so viel Aufmerksamkeit widme, wie ich nur gerade aufbringen kann. Für mich macht es definitiv die Qualität und nicht die Quantität.
Darum können auch Tage oder sogar Wochen verstreichen, bis ich auf E-Mails oder Kommentare antworte. Auf Themen, zu denen ich eine feste Meinung habe, kann ich relativ schnell eingehen, aber wenn ich mir zu etwas erst Gedanken machen muss, dann nehme ich mich die Zeit dafür.

Mein Blog ist keine Party

Es gibt den Mythos, dass introvertierte Menschen sich im Internet plötzlich extravertiert verhalten. Ich kann hier nicht für andere sprechen, aber für mich gilt: Ich wirke hier nur anders.

Im Idealfall spreche ich also, siehe oben, nur über Themen, die mich wirklich, wirklich interessieren, habe Mitmenschen, die auf diese Themen eingehen, und kann mir aussuchen, zu welchen Zeiten ich wie lang kommuniziere.
Mein Blog und die gesamte Blogosphäre ermöglichen mir genau das. Wenn eine Freundin mir von ihren Einkäufen erzählt, ist es sozial erwünschenswert, dass ich freundlich gucke und nicke – wenn ich einen Haul-Beitrag auf einem Lifestyle-Blog sehe, kann ich einfach den Tab schließen. Auf meinem Blog kann ich alle meine Gedanken ausschreiben, keiner bittet mich, demnächst auf den Punkt zu kommen oder bald das Thema zu wechseln, und wer sich für ein Thema nicht interessiert, braucht hier nicht zu kommentieren. Ich bekomme hier nur Kommentare zu meinen Beiträgen, und eure Kommentare sind meistens wirklich toll!
Mein Blog ist auch relativ klein. Manchmal wünsche ich mir, dass er etwas mehr Reichweite hätte – aber ich weiß auch, dass mir das eigentlich zu viel Stress wäre. Ein Mal hat ein Foto, das ich auf Instagram und Tumblr geladen habe, über 50 Reaktionen innerhalb von zwei Stunden bekommen. Damit war ich schlichtweg überfordert, weil ich den einzelnen Personen nicht mehr die Aufmerksamkeit schenken konnte, die ich ihnen gern gegeben hätte.
Für mich ist das hier, so im kleinen Kreis, also Wohlfühlkommunikation, die meinen Bedürfnissen entspricht.

Auf Partys hättet ihr dafür Christin, die Bilderbuch-Introvertierte: Am Rand stehend, eventuell mit zwei bekannten Menschen über das Studium plaudernd, und ab 22:30 irgendwie verschwunden.

15 Comment

  1. Eines wüsste ich noch gerne!
    Wie ist das bei dir, wenn andere Menschen Gespräche mit dir anfangen? Wie reagierst du darauf wenn sie dich einerseits Dinge über dich fragen die du an dir selbst magst und wie bei denen die du an dir nicht so gern hast?

    1. Christin says: Antworten

      Das ist tatsächlich die einzige Sache, bei der es sehr stark darauf ankommt, ob man mich online oder offline erwischt.

      Offline versuche ich, alle Emotionen in einer Kommunikationssituation so flach wie möglich zu halten. Das heißt, wenn Menschen um mich herum sehr aufgelöst sind, dann werde ich meistens sehr nüchtern, damit die Situation nicht „eskaliert“ (also dass Personen nicht in Tränen ausbrechen oder sich, wenn das doch schon geschehen ist, bald wieder beruhigen können). Einige empfinden dieses Verhalten als sehr stabil und zuverlässig, andere als kalt.
      Und um deine Frage zu beantworten: Solang mein Gegenüber ausgeglichen oder fröhlich erscheint, nehme ich weitgehend ehrlich an der Kommunikation teil, einfach damit er/sie auch weiterhin ausgeglichen-fröhlich ist. Das geht auch so weit, dass ich an der Kommunikation selbst dann noch teilnehme, wenn ich sie als unangenehm empfinde (z. B. wenn bei unangenehmen Themen massiv nachgebohrt wird), wobei ich dann abweisend und defensiv werde. Über Dinge, die ich an mir mag, kann ich übrigens so überzeugt reden, dass Leute mich für arrogant halten.
      Einzige Ausnahme: Wenn ich schlecht gelaunt bin oder wirklich ganz akut meine Ruhe brauche und mich deswegen zurückziehe, mir dann aber jemand folgt und mit mir reden will, reagiere ich ziemlich bissig.

      Online bekomme ich die Emotionen meines Gesprächspartners nicht so unmittelbar mit bzw. kann ich im wahrsten Sinne des Wortes wegschalten. Deswegen fällt es mir da leichter, auch mal barsch zu sein.

      1. Aber wäre es nicht auch die Aufgabe deines Gegenüber darauf zu achten wie du reagierst? Welche Emotionen du zu verschiedenen Themen zeigst?
        Oder bin ich einer der wenigen die das noch so sehen und tun?

        1. Christin says: Antworten

          Manche Menschen tun’s, andere nicht. Und wahrscheinlich ist es hier wie bei vielen anderen Dingen auch, dass einige wenige Negativbeispiele das Gesamtbild deutlich stärker belasten als die wirklich guten Beispiele auszugleichen vermögen.

          Meinen Beobachtungen nach liegt rücksichtsvolles Verhalten, egal unter welchem Aspekt, zur zeit aber nicht sehr stark im Trend. Was dafür äußerst angesagt ist: sich im Leben einfach das zu nehmen, wonach man sich sehnt.

          1. Prinzipiell finde ich es gut sich das im Leben zu nehmen was man haben möchte, aber eben nicht um jeden Preis! Respekt gegenüber anderen sollte immer ganz vorne an stehen.
            Dadurch dass ich mir die letzte Woche Gedanken über dieses Thema gemacht habe bin ich einmal mit etwas offeneren Augen und Ohren dafür durch die Welt gelaufen. Und musste dabei traurigerweise feststellen, dass der Egoismus in den letzen Jahren doch sehr nach vorne gerückt ist. Es scheint wirklich oft zu viel verlangt zu sein, einfach einmal drei Schritte weiter und an die Menschen um sich rum zu denken. Beängstigende Beobachtung!

  2. Eine Kategorisierung von Menschen, die nicht vorläufig auf abgeschlossenen historischen Absichten gründet, finde ich generell immer etwas problematisch. Wohin so etwas in Extremfällen führen kann, ist weitestgehend bekannt. Dann wiederum sind Adjektive aber nötig, um uns überhaupt selbst definieren zu können. Denn trotz aller Individualitätsbestrebungen herrscht doch immer so ein ureigenes Streben nach Allgemeinheit und Uniformität. Wir wollen uns regelrecht in Kategorien zwängen, da das absolute Individuum nichts weiter als allein wäre, somit schwach und verletzlich, schlicht ausgeschlossen. Es ist eben Fiktion, dass das Kind, das in der Grundschule jeder hänselte, weil es „anders“ war, ohne Veränderung im späteren Leben plötzlich geheimnisvoll oder aufregend ist. Es wäre utopisch zu glauben, dass die Menschheit jemals frei jeder Typisierung in tatsächlicher liberté, égalité, fraternité nebenher existieren könne. Ich finde, du machst das schon richtig, dass du dich deiner Rolle bewusst wirst, aber gleichzeitig in ihr deine eigenen Regeln festschreibst. Das ist vielleicht einer der Ansätze neben einer anarchistischen Selbstbetrachtung, die über die Bewusstwerdung den Umgang mit dem individuellen Herdentrieb erträglich machen.

    Ehe ich nur noch weiter abschweife, nur ein kleiner Halbsatz zur Kommunikation. Die ist Teil eines wechselseitigen Systems und hat, solange man nicht unbedingt gegen eine Wand redet, mindestens n+1 Interpreten. Das heißt aber nicht, dass eine gelungene Kommunikation auf der Gleichheit der Gesprächspartner gründet. Überhaupt die Vorstellung, dass Kommunikation über den Grad dessen, was man für sich selbst mitnimmt, wertbar wäre, ist doch nur wieder das Streben nach Uniformität, indem man dem anderen gefallen will. Schlussendlich vermag ein Gespräch dem scheuen Wesen der Hölle auf Erden gleichkommen, aber zur gleichen Zeit neue Horizonte und Welten eröffnen. Ist es das nicht wert?

    1. Christin says: Antworten

      Denn trotz aller Individualitätsbestrebungen herrscht doch immer so ein ureigenes Streben nach Allgemeinheit und Uniformität.

      Ich denke, das kann man wirklich nicht besser sagen! Und es scheint, dass dieser Mechanismus auch in die Gegenrichtung wirkt: Natürlich wollen wir Ikonen und herausragende Individuen, aber bitte nicht zu herausragend, weil sie dann bedrohlich werden und Identifikation nicht mehr glückt.
      Interessant ist damit verbunden auch, dass mittlerweile eine Neubewertung von Eigenschaften stattfindet. Kinder bzw. Jugendliche sind nicht mehr „awkward“ sondern „quirky“ – und damit plötzlich total akzeptabel, ja sogar begehrenswert. Auch wieder: Individualität und Macken gern, aber eben nicht zu sehr.

      Ich finde es immer kritischer, von „der Gesellschaft“ zu reden, egal unter welchem Aspekt. Allein in Deutschland sind wir ca. 80 Millionen Menschen mit verschiedenen Interessen, Geschmäckern und Meinungen – und trotzdem sollen wir uns alle verstehen.
      Teilweise ist die Trennung von Milieus die einfachste und fairste Lösung. Der einzige Grund, weshalb es heute vollkommen okay ist, dass ich mich viel mit Französisch beschäftige, ist eben, dass ich Französisch studiere und von Gleichgesinnten umgeben bin. Mit dem sozialen Umfeld vom Gymnasium wäre ich weiterhin Außenseiterin.
      Am Ende muss man ja nicht nur mit sich selbst klarkommen, sondern auch mit der Umwelt. Kein Mensch ist eine Insel.

      Das Leben als Insel wäre auch, um auf die Kommunikation zu sprechen zu kommen, äußerst langweilig. Wenn ich nur Menschen um mich herum hätte, die so sind wie ich, würde ich letztlich nie etwas Neues erfahren. Entwicklung braucht zu einem bestimmten Grad eben Gegensätze und Widerstände, die es zu bewältigen gilt.

  3. Vielleicht bis du aber auch ganz normal? Viele der Charakteristika von Introversion können sich auch in Teilen in nicht introvertierten Menschen finden. Introversion ist gerade auch ziemlich hip, weil introvertierte medial gerade als die stillen Helden gefeiert werden.

    1. Klar ist sie normal. Introversion ist prinzipiell wie Extroversion „normal“, es erscheint vielen nur nicht normal, weil Introvertierte nicht so auffallen wie Extrovertierte und einem die Verhaltensweisen deshalb seltsam vorkommen können.

      Die Übergänge der Eigenschaften, die beiden Seiten zugeschrieben werden, können auch fließend sein. Es gibt ja nicht nur Extreme, es gibt auch „Mischlinge“.

      Ich suche gerade auch ein bisschen den Zusammenhang zwischen Deinen ersten beiden Sätzen und dem letzten.

    2. Christin says: Antworten

      „Normal“ hat zwei Seiten:
      Wenn du meinst, dass ich als Person funktioniere – also dass ich laut Psychologie und Philosophie eine einzige Person mit konsistenten Werten, Motiven und Erinnerungen bin, dann bin ich absolut normal, kein Thema.
      Wenn es danach geht, was das Gros der Gesellschaft für normal oder wünschenswert hält, sieht es etwas anders aus. Ohne hier in die Details zu gehen, mir wurde mehrfach direkt gesagt, dass ich nicht normal bin und noch deutlich öfter gezeigt, dass ich mein Verhalten anpassen sollte (in Discos gehen, mich mit Typen „ausprobieren“, aus Gefälligkeit Rauschmittel im weitesten Sinn konsumieren usw.).

      Jedes Paar von Persönlichkeitsmerkmalen, egal in welcher Typologie, ist als Kontinuum zu verstehen, wie Jenny auch schrieb. Es gibt Menschen, die sind sehr nah an einem der beiden Pole, andere sind eher in der Mitte – Normalverteilung und so.
      Bei der Introversion bin ich ziemlich eindeutig zuzuordnen, bei einem anderen Merkmal des MBTI überhaupt nicht. Das ist total okay.

      Die Brücke zu deinem letzten Satz verstehe ich auch nicht. Ich weiß seit über 2,5 Jahren meinen Persönlichkeitstyp laut MBTI. Ich find’s gut, weil ich mich dadurch selbst besser verstehe und als Folge glücklicher bin, aber ich definiere mich nicht darüber.

    3. Dafür werden Extrovertierte immer und ständig in allen Lebenslagen gefeiert, sie werden ständig bevorzugt und nicht als »komisch« und »still« bezeichnet, wenn jemand nicht mit ihnen umgehen kann.
      Als Extrovertierter ist deine Wahrscheinlichkeit, den Job zu bekommen, um den sich auch die Intros bewerben, wahrscheinlicher; als Introvertierter musst du dich ständig rechtfertigen dafür, wie du bist und denkst und handelst.
      Egal wie gehyped die »stillen Helden« gegenüber denen, die mit Quatschen alles erreichen können, auch werden, in jeder Lebenssituation wünsche ich mir, nicht introvertiert und lieber extrovertiert zu sein. Aber das ist nicht gegeben und so muss ich mithilfe der Fachartikel und Bücher, die gerade erscheinen und Licht ins Dunkel bringen versuchen, mit dem »gottgegebenen« Wesen umzugehen.

      Ich kann mich in deinem Artikel auch größtenteils wieder finden – ich kann mich bei spannenden, tiefgründigen Themen auch in Rage labern, tu es aber nur in seltenen Situationen. In einem Seminar, in dem ich mich wohlfühle, eher, als in einer kleinen Gruppe, in der nur eine Person sitzt, die ich nicht mag.
      Generell werd ich beim Reden immer so nervös, dass ich schnell zum Ende kommen mag, Sätze verkürze, Inhalte verfälsche und am Ende versteht mich keiner und viele halten mich für seltsam, weil sie nicht wissen, was ich von ihnen will 😀
      Ich bin leider einer jener, die »extrem introvertiert« sind.

  4. Das ist wie in den Spiegel blicken… oder so. 😉 Der Text könnte genau so auch von mir kommen. Obwohl ich mir noch nie so wirklich Gedanken über die Art meiner Introvertiertheit gemacht habe, aber ich kann allem was du geschrieben hast genau so zustimmen.
    Mich nervt es einfach ungemein, dass Introvertiertheit als negative Charaktereigenschaft gesehen wird.

    1. Christin says: Antworten

      Hallo Lisa, schön dass du hier kommentierst!

      Introversion wird leider viel zu oft mit Verschlossenheit und Passivität gleichgesetzt, ja. Aber vielleicht schaffen es die vielen Bücher über Introversion, dieses Bild in der Gesellschaft zu aktualisieren.

  5. Hallo Christin,
    ich bin ganz anders, aufgewachsen mit drei Schwestern und insgesamt einer riesigen, lauten Familie, kann ich Lärm und Geräusche extrem gut ausblenden und exakt filtern, was für mich gerade relevant ist. Da staun ich echt immer über mein Gehirn. Ich mache allerdings einen großen Unterschied: Gewusel, Lärm und Gedränge in z.B. einem Kaufhaus mit fremden Menschen ist mir ein absoluter Graus und das kann ich ganz schwer aushalten. Gewusel und Gedränge mit Freunden und Familie macht mir überhaupt nichts aus, da ist es „the more the merrier“.

    Und zum Thema: Nicht melden, wenn man es doch weiß. Ich war der typische Kandidat für folgende mündliche Noten Besprechung: „Ich weiß doch, was du kannst, aber wenn du dich nicht meldest, kann ich dir auch keine gute mündliche Note geben“. Das hört sich jetzt vielleicht arrogant an, aber ich wusste in der Schule und in Uniseminaren immer ziemlich schnell worauf Lehrer/Prof hinauswollten. Es gab Fragen mit nur einer richtigen Antwort, das war mir meist zu einfach und wenn ich die Antwort für mich wusste, hat mir das gereicht. Oder ich wusste genau, wie die Diskussion verlaufen würde und was das Ergebnis sein würde, auch dann bin ich nicht motiviert mich zu beteiligen, sondern es reicht mir, es für mich zu wissen und ich folge der Diskussion dann eher um zu sehen, ob es sich bestätigt. Die einzige Motivation mich zu beteiligen war, wenn ich tatsächlich nicht wusste, wo die Diskussion enden wird und dann bin ich leidenschaftlich dabei. Dafür musst du aber a) die richtigen anspruchsvollen Themen haben und b) die Leute die dabei mitmachen. Ich diskutiere ergebnisorientiert und nicht um der Diskussion willen oder um zu zeigen „dass ich es weiß“. Das war für dich eine kleine Innenansicht von einem „Nichtmelder“.;)
    LG, theo

    1. Christin says: Antworten

      Hallo Theo, danke für deinen Kommentar und willkommen an Bord!

      Es gibt ganz verschiedene Arten, mit Themen und Wissen umzugehen. Das macht die Welt ja erst so spannend.
      Deine Meinung übers Nicht-Melden im Unterricht ist übrigens sehr interessant! Bisher habe ich noch nie eine so reflektierte Antwort bekommen, sondern immer nur „Mäh, Melden ist doch uncool.“

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