George Orwell: Animal Farm

„Animal Farm“ von George Orwell erschien erstmals 1945. Hier in der Ausgabe für den Kindle von 2009. Ca. 150 Seiten. Eine deutsche Übersetzung ist unter dem Titel „Farm der Tiere“ bei Diogenes erschienen.

Nachdem ich mich an zwei Wochenenden in Folge durch „The Boy in the Striped Pyjamas“ und „The Perks of Being a Wallflower“ geschmökert hatte, stand mir der Sinn nach etwas Klassischerem, das aber trotzdem noch nicht angestaubt ist, gern auch mit politischer Aussage. Kurz die imaginäre „Könnte ich mal lesen“-Liste durchsucht und beschlossen, dass es Orwell sein soll.
„1984“ fiel aber raus, weil ich das gern mal in einem Marathon mit „Brave New World“ (von Aldous Huxley) und „Fahrenheit 451“ (von Ray Bradbury) lesen möchte. Also „Animal Farm“.

Auf der Manor Farm geht ein Geist um, nämlich der Geist der Rebellion. Old Major, das älteste Schwein auf der Farm, erzählt von der Vision einer Welt, in der Tiere nicht mehr vom Menschen unterdrückt und ausgebeutet werden, sondern in Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit miteinander leben und nur für sich selbst arbeiten. Ein günstiger Moment zum Aufstand kommt schneller als gedacht und schon bald können die Tiere den Farmbesitzer Jones vertreiben.
Die Führung haben seit der Rebellion die Schweine übernommen, die erst sich selbst und dann den anderen Tieren lesen beibringen und somit eine Verfassung für Animal Farm schriftlich festlegen können. So lassen sie die Farm unter den argwöhnischen Blicken der Nachbarn aufblühen und wehren sich standhaft gegen alle Widrigkeiten. Doch schon bald kommt es zu Streitigkeiten in der Führungsriege.
Dem Schwein Napoleon gelingt es, seinen stärksten Gegenspieler Snowball von der Farm zu vertreiben. Von nun an schafft er es durch undurchsichtige Machenschaften, aktive Geschichtsklitterung und Propaganda, alle Werte, für die Animal Farm ursprünglich stand, zu seinem eigenen Vorteil zu verdrehen und eine Schreckensherrschaft aufzubauen. Er setzt Gerüchte über Snowball in die Welt und schafft ein Feindbild, auf das sich die anderen Tiere konzentrieren können, während er seine eigenen Privilegien in Form einer Scheinrepublik ausbaut.
Am Ende verbindet sich Napoleon mit den menschlichen Besitzern der benachbarten Farmen. Die Verfassung von Animal Farm wird überschrieben: „Alle Tiere sind gleich. Aber einige Tiere sind gleicher als andere.“

„Animal Farm“ steht stellvertretend für Dinge, die in der Politik in einem der Länder auf dieser Welt schon so passiert sind oder so passieren könnten. Um das zu erkennen, braucht es weder einen Abschluss in Literatur- noch in Politikwissenschaften. Jeder halbwegs wache Mensch merkt relativ schnell, was sich auf dem Hof tatsächlich abspielt – so wie jeder halbwegs wache Mensch es auch mitbekommt (oder mitbekommen könnte), wenn etwas in unserer Politik schiefläuft. Interessant sind von daher auch eher die Ausführungen dazu, wie die anderen Tiere sich immer wieder und trotz allem Unbehagen von Napoleon einlullen lassen.
Und genau darin liegt meiner Meinung nach auch der Wert des Buchs: Es fällt zunächst leichter, den Tieren im Kopf zuzurufen, dass sie die Augen aufmachen und etwas ändern sollen, als dies in der realen Welt zu tun, weil wir da auch mit uns selbst ins Gericht gehen müssten. Am Ende ist es dann immer dem geneigten Leser oder der geneigten Leserin überlassen, alle Gedanken im Buch zu lassen und ins Regal zurückzustellen, oder die Frage aller Fragen zu stellen: Was meinst du eigentlich, was hier los wäre, wenn die Leute nur merkten, was hier tatsächlich los ist?

Leseempfehlung? Für alle, die eine kleine Erinnerung daran brauchen, warum politisches Wach-sein wichtig ist.

3 Comment

  1. RoM says: Antworten

    Latha math, Christin.
    Leider steckt viel blanke Realität in der Story von George Orwell. Andere für perfide Eigeninteressen zu manipulieren war & ist nach wie vor Alltag. Wobei sich die Menge nur allzu gern lenken läßt. Eben das Führersyndrom. Verstand wie Gewissen läßt sich dabei leicht ablegen.
    Und die Rattenfänger sind gern aktiv. Wobei deren Zielgruppe gern nach dem Motto verfährt, „wozu selber denken wenn das andere für mich tun“.

    Monty Python hat es irgendwo treffend formuliert: „My brain hurts!“

    Huxley, Orwell & Bradbury wären ein erlesener Marathon!
    Anempfehlen könnte ich für den Lauf noch Philip K. Dick, “ Do Androids Dream of Electric Sheep?“

    bonté

  2. Ich glaub, das will ich lesen.

    1. Christin says: Antworten

      Tu es! Es ist auch schnucklig kurz, unterhaltsam und wirklich schnell durch!

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