Die Pille absetzen: Mein Hintergrund

Zu Feminismus gehört für mich persönlich nicht nur das (gesellschaftliche) Verhältnis von Mann und Frau, sondern auch wie wir über uns reden. Leider gibt es einige Themen, die zwar wichtig sind, aber zu selten angesprochen werden – Sexualität gehört dazu.
Eine Beitragsreihe über die Pille erweckt vielleicht den Eindruck, sich ausschließlich an Frauen zu richten – ich möchte aber auch alle Männer dazu ermuntern, die Beiträge zu lesen. Sexualität ist Partnersache.

Warum ich die Pille genommen habe

Ich war 16, ich hatte Sex und ich wollte nicht schwanger werden.

Jedes Verhütungsmittel hat seine Stärken und Schwächen. Kondome schützen bei korrekter Anwendung nicht nur vor Schwangerschaften, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Im Bereich der Schwangerschaftsverhütung schlägt die Pille Kondome jedoch um Längen. (Zum Vergleich der Sicherheit bei der Schwangerschaftsverhütung gibt es zum Beispiel auf der Seite von pro familia eine Übersicht über den Pearl-Index verschiedener Methoden.)
Es ist definitiv situations- und personenabhängig, welches Verhütungsmittel das beste ist. Zu mir persönlich hat die Pille gut gepasst.

Bei der Entscheidung für oder gegen die Pille sollte beachtet werden, dass sie  nicht nur ein Verhütungsmittel ist, sondern als hormonelles Präparat noch eine Reihe weiterer teils positiver, teils negativer Wirkungen mit sich zieht.
Meine Frauenärztin hat mir damals ein Präparat verschrieben, dass mir bei meiner zu leichter Akne neigenden Haut helfen würde. Meine ehemalige Mitbewohnerin hat eine leichte Form von PCOS und die Pille ermöglicht es ihr, ihre verbleibenden Eizellen aufzuheben, bis sie Kinder haben möchte. Meine andere Mitbewohnerin hat selbst von der am schwächsten dosierten Pille noch heftige Kopfschmerzen bekommen.

Die Pille ist nicht eindeutig gut oder schlecht. Ich bin weder dafür, sie als das ultimative Verhütungsmittel für junge Frauen anzupreisen, noch halte ich etwas von Abschreckungsgeschichten. Die Medizin entwickelt sich immer weiter, es gibt immer neue Studien, schon allein wenn man populärwissenschaftliche Texte von vor 7, 8 Jahren liest, hat sich da eine Menge getan.
Die Entscheidung für oder gegen eine Form der Verhütung, vor allem wenn sie in den Körper eingreift, ist ein sehr verantwortungsvoller Schritt, der nicht leichtfertig genommen werden sollte.

Meine Zeit mit der Pille

Ich habe die Pille insgesamt neun Jahre lang genommen, von Ende 2005 bis Ende 2014. Drei Jahre davon  (Anfang 2011 bis Anfang 2014) war ich auf einen Langzeitzyklus eingestellt.

Langzeitzyklus bedeutet, dass die Pille für mehr als 3 Wochen am Stück eingenommen wird und so die Zahl der Regelblutungen pro Jahr gesenkt wird. Die Meinungen zu diesem Vorgehen haben sich allein in den letzten 6, 7 Jahren drastisch geändert.
In meinem Fall hatte ich es mit meiner Frauenärztin abgesprochen und mich auf einen 10-wöchigen Zyklus eingestellt. Ich nahm die Pille also neun Wochen am Stück und hatte dann eine Woche Pause. Ihr solltet wissen, dass die Pille den natürlichen Zyklus nicht völlig ausradiert, sondern nur „überspielt“. Unterschwellig ist er noch immer da und nicht jede Frau verträgt jede Zyklusdauer. Für mich waren 10 Wochen ungeeignet und ich stellte nach einiger Zeit auf 7 Wochen um.

Auch hier müssen die Vor- und Nachteile im Einzelfall bewertet werden.
Ich hatte selbst mit Pille starke Regelbeschwerden und empfand es als große Erleichterung, diese nicht mehr alle vier Wochen ertragen zu müssen. Allerdings entwickelten sich bei mir auch Nebenwirkungen, auf die ich im nächsten Abschnitt eingehen werde.

Es ist wirklich ein schwieriges Thema und ich kann hier nichts empfehlen außer: redet mit eurer Frauenärztin oder eurem Frauenarzt, trefft gemeinsam eine Entscheidung, beobachtet euren Körper, lasst euch regelmäßig untersuchen und passt das Programm gegebenenfalls an.

Wieso ich die Pille absetzte

Bei einer Kontrolle stellte meine Frauenärztin fest, dass sich meine Brustgewebe auffällig drüsig und fest anfühlt. Es war zu Ende des Zyklus, da kann das durchaus vorkommen, und das feste Brustgewebe ließen sich gut verschieben. Ich hatte zwar selbst auch beobachtet, dass meine Brüste sich mit dem Zyklus veränderten, hielt es aber für normal – ganz ehrlich, ihr könnt als Teenie noch so viele Dr. Sommer-Artikel und Selbsthilfeblätter lesen, ihr seid schlichtweg nicht darin ausgebildet und euch fehlt der Vergleich um zu wissen, wann fest plötzlich zu fest ist. Es ist wichtig, die Brust regelmäßig abzutasten, aber lasst es euch bei eurem Arzt oder eurer Ärztin zeigen und erklären.
Anfangs war es so, dass meine Brüste mit Beginn des neuen Zyklus wieder weicher wurden. Irgendwann war dem jedoch nicht mehr so und das war auch der Hauptgrund, weshalb ich den Langzeitzyklus reduzierte und schließlich auch wieder zum normalen 4-wöchigen Zyklus überging. Ich konnte in dieser Zeit nicht auf dem Bauch liegen, das Tragen von BHs schmerzte und selbst normales Streicheln war unangenehm. Es schränkte mich in meinem Leben ein und war auch gesundheitlich nicht unbedenklich.

Rückblickend habe ich festgestellt, dass das Probem erst mit dem Langzeitzyklus wirklich aufgetreten ist. Dabei kann ich jedoch nicht sagen, ob der veränderte Zyklus der Auslöser war, weil mein Körper mit der Menge an Hormonen überfordert war, oder ob er nur als Katalysator wirkte und es früher oder später sowieso so gekommen wäre.

A. und ich waren in der Zwischenzeit in unserer Beziehung auch an den Punkt gekommen, an dem wir aktiv begonnen haben, über Familienplanung zu sprechen. Auch das spielte eine Rolle, weil ich meinem Körper einige Zeit Ruhe gönnen wollte, bevor durch eine Schwangerschaft wieder eine Hormonumstellung ansteht.
Letztendlich stand bei der Entscheidung mein körperliches Wohlbefinden im Mittelpunkt, es war aber keine spontane Entscheidung, sondern als Paar überdacht.

Zusammenfassend

Ich habe die Pille als sichere Form der Schwangerschaftsverhütung genommen und diese Sicherheit auch genossen. Lange Zeit passte diese Form der Verhütung auch sehr gut zu meinem Lebensstil. Bis zum Auftreten von Nebenwirkungen habe ich sie wirklich gern genommen, am Ende überwogen jedoch die eher unangenehmen Effekte über ihren Nutzen.

Die Entscheidung, die Pille abzusetzen, hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, dass das Verhütungsmittel wirklich passt. Ich kann nicht sagen, wie ich in 5 oder 10 Jahren verhüten werde. Vielleicht werde ich eines Tages wieder die Pille nehmen, jedoch ohne Langzeitzyklus. Ich weiß aber, dass es eine Entscheidung sein wird, in die ich meinen Partner und meine Ärztin oder meinen Arzt einbeziehen werde.

22 Comment

  1. Ich wusste gar nicht, dass der eigene Zyklus bleibt und die Pilke diesen nur überdeckt. Wie merkt man das denn?
    Zu mir passte die Pille nie, ich habe sie nie gern genommen und immer wieder abgesetzt. Die Pille war immer eher das Mittel, das eben da war. Populär und allgegenwärtig. Jeder nimmt sie, also auch ich.
    Erst Anfang des Jahres habe ich über alternativen nachgedacht und fühle mich letztlich mit NFP am wohlsten, weil ich so auch mich selbst, meinen Körper, Zyklus und alles, was mit ihm kommt, am besten wahrnehmen kann uns vieles Symptome einfach dem „Weiblich sein“ zuordnen kann. Ich finde es schön, anhand meiner Haut, Laune, Appetit und Müdigkeit erkennen zu können, wo ich gerade in Zyklus bin.
    oder anders herum.

    1. Christin says: Antworten

      Normalerweise solltest du es gar nicht merken, weil der Pillenzyklus von 28 Tagen der natürlichen Zyklusdauer recht gut angepasst ist.

      Was bei mir auffällig war:
      – Die Sache mit dem Brustgewebe, was auch im Langzyklus periodisch verlaufen ist. Ich habe also neun Wochen lang jeden Tag die gleiche Menge Hormone zu mir genommen und trotzdem hatte ich Symptome, die alle vier Wochen auftraten und wieder abklangen.
      – Ich hatte auch mit der Pille sehr starkes PMS (an manchen Tagen hätte ich am liebsten geheult, nur weil mich jemand schief angeschaut hat), was bei gleichbleibender Hormonkonzentration im Körper nicht der Fall wäre.

      Bei beiden Sachen ist klar, dass der Körper doch noch Hormone im natürlichen Zyklus produziert. Das heißt aber nicht, dass die Pille dann nicht wirkt – die zusätzlichen Hormone sind ja doch noch da. Es schwankt dann nur auf einem höheren Level.

      Ein anderes Merkmal wären zum Beispiel Zwischenblutungen im Langzyklus. Ich persönlich hatte damit kein Problem, aber es kann vorkommen.

      Danke, dass du auch deine Erfahrungen teilst! Gerade weil die Pille eben so allgegenwärtig ist, habe ich ja diese Beitragsreihe begonnen, eben um Bewusstsein zu schaffen.
      Hättest du Lust einen Gastbeitrag über NFP zu schreiben oder einen Absatz beizutragen? Mein dritter Artikel in der Reihe wird sich darum drehen, wie wir jetzt verhüten – da würde ich mich über zusätzliche Erfahrungen und Standpunkte freuen.

      1. Sehr interessant. Wenn man auf seinen Körper achtet und hört, kann das bestimmt auffallen, aber viele haben ja kein Gefühl (mehr?) Für solche Symptome.
        Ich kann gerne was dazu schreiben, würde mich sehr freuen 🙂

        1. Christin says: Antworten

          Ja, ein Gespür für solche Symptome verliert man leider sehr schnell. Das fällt mir auch bei anderen Dingen auf, meiner Verdauung zum Beispiel: wenn ich ein oder zwei Tage schlecht esse, ist das schon so weit gestört, dass ich es schon gar nicht mehr merke, auf welches weitere Essen mein Körper wie reagiert.

          Unsere Körper haben es wirklich nicht leicht.

          Ich schreib dir mal über Facebook und dann können wir Näheres besprechen 🙂

  2. Ich habe jahrelang die gleiche Pille genommen (60€ für 6 Monate) – irgendwann kam es dann zum Auslaufen des Patents weswegen eine günstigere Pille mit exakt gleichen Wirkstoffen etc auf den Markt kam (30€ für 6 Monate). Meine Ärztin dachte sie tut mir etwas Gutes, wenn ich nicht mehr so viel Geld zahlen muss. Nach einiger Zeit bekam ich schlimme Panikattacken und es hat ewig gedauert, eh ich auf die Pille kam! Ich hab sie wieder auf das teure Modell umstellen lassen und nach einiger Eingewöhnungzeit gingen die Panikattacken wieder weg. Leider sind diese jetzt immer noch in meinem Kopf verankert weswegen ich in stressigen Zeiten noch immer Panikattacken bekommen kann. Trotzdem hat mir diese Pillenepisode gezeigt, dass die Hormongeschichten echt kein Spaß sind. Ich kann durchaus verstehen wieso man auf die Pille verzichtet!

    1. Ähm ja, wieso der auf dem Handy jetzt anonym geschrieben hat weiß ich auch nicht 😝

      1. Christin says: Antworten

        Ich wusste bis heute gar nicht, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, anonym zu kommentieren. Aber ich hab das mal repariert.

    2. Christin says: Antworten

      Ich denke, wir haben das gleiche Präparat genommen, auch wenn ich mit dem Generikum keine Probleme hatte. Aber jeder Körper reagiert da eben unterschiedlich.

      Bei Symptomen, die schleichend oder mit etwas zeitlichem Versatz kommen, finde ich es auch sehr schwer, die Pille als Ursache festzumachen.
      Zum Beispiel habe ich mit der Zeit relativ viele Blockaden im Körper entwickelt – aber ich habe von Natur aus einige hypermobile Gelenke, da fand ich das annähernd normal. Ich hatte irgendwann meine Vermutung, dass es an der Pille liegen könnte, relativ sicher weiß ich es aber erst, seitdem ich sie abgesetzt habe.
      Was sich seit Absetzen verändert hat, wird übrigens Teil zwei der Reihe.

  3. Wie du schon andeutest, dass die Pille gegen Regelbeschwerden hilft, ist das der Grund weswegen ich sie nehme, weil ich sonst jeden Monat für 3 – 5 Tage zu nichts zu gebrauchen wäre.

    Es gibt ja zig verschiedene Pillen und man muss gucken, mit welcher man am besten zurecht kommt. Ich bin mittlerweile bei der „Dritten“, die halt keine Micropille mehr ist, sondern eine große und mit der hab ich keine Regelbeschwerden mehr, die mich zu einem Haufen Elend machen.

    (Mir hat mal ein Arzt das erklärt wieso ich denke, dass es meinen Unterleid zerreißt, aber irgendwie hab ich das wieder vergessen)

    1. Christin says: Antworten

      Mir wurde direkt eine „große“ Pille verschrieben, weil die in der Handhabung auch etwas leichter sind (durch die höhere Hormonkonzentration haben sie mehr Toleranzraum, wann man die einzelne Pille nimmt).

      Am Anfang hatte es auch super gegen Regelbeschwerden geholfen, nach einigen Jahren kam es bei mir dann doch wieder durch. Nicht so stark wie jetzt ohne Pille, aber doch so, dass an ein, zwei Tagen ohne Schmerzmittel nichts ging.

      Dein Körper spült bei der Regelblutung nicht nur Blut aus, wie es der Name nahelegt, sondern baut Gebärmutterschleimhaut ab. Ich hab mal irgendwo gelesen, dass der Beginn der Regelblutung ungefähr so funktioniert wie Mini-Wehen und dass die Schmerzen daher kommen, müsste mich da aber noch mal belesen, ob das wirklich so ist.

      1. Ja, das einmal und dann hat der noch was von irgendwelchen Zotteln gefaselt, die normalerweise in der Gebärmutter rumwachsen und wohl bei mir auch außerhalb sich angesiedelt haben – ach was weiß ich ^^

        1. Klingt so ein bisschen wie Endometriose. Das vermuteten die bei mir auch 😀
          mir hat die Pille meine Mensis total verhauen :{ von 1 Tag auf 4 Tage. Es geht so rum und so rum 😀

  4. RoM says: Antworten

    Hoi, Christin.
    Zum Thema der Verhütung blinkt bei nicht wenigen Männern eher ein irritiertes Kleinstfragezeichen über dem Kopf auf; unterschwellig fest überzeugt davon, der Schutz sei die reine Frauensache. Die Jahre seit der Pille dürften die Denke eher unterfüttert haben – obschon die Mannen davor eher noch weniger in sich gegangen sein werden.

    Ich denke die Pille bleibt ähnlich anzuwenden wie ein Medikament, das seine Verträglichkeit zu beweisen hat. Von daher sind Wechsel oder Absetzung eher der Normalfall – schließlich geht es um den eigenen Körper & die eigene Psyche. Ein Nonplusultra – wie in den frühen Jahren gern angenommen – ist die Pille nicht. Sie ist nach wie vor eher ein Aspekt unter vielen.

    Wobei der Koitus auch nicht einzig die körperliche Liebe definiert, denke ich.

    bonté

    1. Christin says: Antworten

      Das Problem ist da einerseits das überlieferte Bild von Mann und Frau, teilweise aber auch fehlendes Bewusstsein.
      Kinder – sowohl die, die schon da sind, als auch die, die gerade im Entstehen sind – werden nach wie vor viel zu sehr als „Problem“ der Frau betrachtet. Natürlich ist die Schwangerschaft etwas, was nur die Frau in der Partnerschaft physisch leisten kann. Um das Kind haben sich aber beide zu kümmern, auch wenn es finanziell ist. Ich weiß nicht, wie viele Sexualpartner und wie viel Geschlechtsverkehr ein Mann theoretisch haben müsste, damit ihn eine Beteiligung an der Verhütung tatsächlich teurer zu stehen kommt als regelmäßige Unterhaltszahlungen.
      Andererseits ist da natürlich noch die Geschichte mit den STI, bei der Verhütung wiederum für beide Seiten relevant wird. Auch da sehe ich aber ein großes Ungleichgewicht: während ich ein Mal im Jahr mittels Abstrich auf diverse Krankheiten untersucht werde, werden Männer keinem entsprechenden Vorsorgeprogramm unterzogen – obwohl es am Ende um die Gesundheit von beiden Geschlechtspartnern geht.
      Frauen sollten mit dem Thema nicht allein gelassen werden.

      1. RoM says: Antworten

        …der biologische Umstand, daß die Jungs lediglich Samen los werden hat wohl auch zu der heuchlerischen Einstellung geführt, daß Söhne patriarchaler Gesellschaften ordentlich können, während es den Mädchen – bis hin zur Drohung „Ehren“-Mord – untersagt ist. Wie besser ließe sich die Schizophrenie restriktiver Sexualmoral besser auf den Punkt bringen.

        Was die zweisame Verantwortlichkeit für die Kinder angeht, so geben manche Tierpaare der Menschheit die großere Kompertenz in Verantwortung vor.

        Gesundheitliche Sicherheit beim Sex sollte eigentlich in nach wie vor HIV-Zeiten ein „Ohne-geht-nix“ sein. Wird aber von nicht wenigen Männern als das Problem anderer verdrängt. Sie selbst verbreiten nichts & fangen sich auch nie etwas ein. Nicht zu vergessen, die Okkult-Fraktion, die sich mit allerlei Seltsamkeiten den corpus delicti zu „schützen“ sucht – anstatt einfacher Kondome überzuziehen.
        Gilt jetzt allerdings in Chauvi-Kreisen als latent unmännlich, sowas… 🙁

        bonté

        1. Christin says: Antworten

          Kein Scherz: in der Karibik wurde Sklaverei über die Mutter vererbt. Weiße Männer konnten sich also an Sklavinnen vergehen wie sie wollten, da die Kinder ja den Sklavenstatus erbten, war der Erhalt der sozialen Macht der Familie ja niemals gefährdet. Andersrum wurden weiße Frauen, die sich auf einen Sklaven eingelassen haben, natürlich sofort verstoßen.

          Vor allem sieht man es einem Mann ja auch nicht an, ob er in seinem Leben schon Sex hatte. (Dass es verschiedene Gründe gibt, warum bei einer jungen Frau das Hymen reißt, spielt da ja keine Rolle.)

  5. Die Pille. Ein schwieriges Thema. Es gibt ja starke Befürworter und starke Gegner.

    Ich habe selbst jahrelang die Pille genommen, bis ich (wahrscheinlich auf Grund der Pille, die Ärzte waren sich nicht einig) eine Thrombose hatte. Jetzt sind jegliche künstlich zugeführte Hormone für mich grundsätzlich ausgeschlossen. Was aber nicht schlimm ist, denn ich habe mit der Kupferkette eine sehr gute Alternative gefunden.

    Im Nachhinein finde ich es von meiner damaligen Frauenärztin nur sehr verantwortungslos, dass ich nicht über die möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt wurde. Ich habe sie halt genommen, und gut war. Welche Jugendliche liest sich schon Beipackzettel durch oder informiert sich gründlich über Nebenwirkungen und Alternativen?
    Ich denke, es sind die wenigsten. Auf jeden Fall in dem Alter, in dem die Pille oft zum ersten Mal verschrieben wird.

    Da besteht echter Aufklärungsbedarf (in meinen Augen).

    1. Christin says: Antworten

      Zu der Frage, welche Jugendliche sich Beipackzettel durchliest: Ich 🙂 Aber ich bin da nicht repräsentativ.
      Ich muss sagen, dass ich mit der Beratung für meine Situation sehr zufrieden war. Ich habe damals einen Informationszettel bekommen, der genau erklärte, wie mein Präparat wirkt, was es mit dem Körper macht, worauf zu achten ist usw. Das alles auch optisch ansprechend für Jugendliche aufbereitet, zusätzlich gab es auch eine Webseite, die noch andere Themen abdeckte, zum Beispiel Farbtypberatung für Make-Up – wofür man sich als Mädchen mit 14 bis 18 Jahren so interessiert, wenn man die ersten Erfahrungen mit Dates sammelt.
      Meine damalige Frauenärztin hat mir auch meine Eierstöcke mittels Ultraschall gezeigt. Es war dann aber erst die Frauenärztin hier in Leipzig, die auch mit dem Abtasten der Brüste begonnen hat.
      So lang ich die Pille nahm wollten mich auch beide Frauenärztinnen zwei Mal im Jahr sehen, hier in Leipzig wurden auch ein Mal im Jahr Blutproben genommen.

      Insgesamt habe ich mich mit der Pille immer sehr gut betreut gefühlt, eben weil es ein offizielles Medikament ist und es entsprechende Informationen gibt, wenn man sie möchte. Dass bei vielen Mädchen dieses Informationsbewusstsein fehlt, ist etwas anderes, was natürlich erst geschaffen werden muss.
      Sehr viel schwieriger fand ich es dann, während des Wechsels angemessene Informationen über Kondome zu finden. Darüber werde ich im dritten Teil schreiben. Um es kurz zu machen: sobald die Standardgröße nicht passt, hast du echt viel Spaß beim Suchen. Ich wusste da noch nicht mal, an wen ich mich wirklich wenden soll und es hat sich dann zufällig in einem Gespräch mit einer Freundin ergeben.

      Aber das sollte eben alles nicht hinter vorgehaltener Hand passieren müssen – und da stehen wir hier in Deutschland schon gut da! Wenn wir hier über Sexualität sprechen, dann wird unser Stil zwar von Außenstehenden als klinisch und steril beschrieben, aber immerhin reden wir darüber. Es kommt nur leider viel zu spät im Leben.
      Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich mich entschieden habe, diesen Beitrag zu schreiben: die Reichweite von meinem Blog ist zwar eher gering, aber wenn nur eine einzige Biolehrerin oder ein Biolehrer auf diesen Beitrag stößt und dann überdenkt, wie Sexualität, Paarungsverhalten und Vermehrung im Unterricht behandelt werden, dann werde damit ganz viele Kinder und Jugendliche erreicht.
      Deswegen finde ich es auch schön, dass hier so offen über Erfahrungen berichtet wird.

      1. Ich hab den auch durchgelesen. Und les allgemein die immer.

        1. Auch schon als 14/15-jährige @Christiane? Ich damals nicht. Heute natürlich, aber früher hätte ich alles einfach so genommen, wenn es mir ein Arzt gegeben hätte.

          @Christin, da hast du das positive Beispiel erlebt und ich das negative. Transparenz und Aufklärung contra Null-Informationen.

          Aber daran sieht man mal wieder, wie wichtig doch gute Ärzte sind…

          1. Ja, schon als Jugendliche.

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